Leseprobe Rubrik: SeeKultur

Belebte Burg

Hoch über dem Bodensee thront das Alte Schloss Meersburg als steinerner Zeuge des Mittelalters und ist gleichzeitig die älteste noch bewohnte Burg Deutschlands.

Die Meersburg gilt als die älteste bewohnte Burg Deutschlands. Man vermutet, dass an dieser Stelle im Jahre 628 von Merowingerkönig Dagobert I. eine Art Schutzbau für Reisende errichtet wurde. Der Bergfried – auch „Dagobertsturm“ genannt – gehört zusammen mit der Dürnitz und der Nordbastion zu den ältesten Teilen der Burg. Definitiv gesichert ist die Existenz der Meersburg seit dem Jahr 1211, als sie in den Besitz der Konstanzer Fürstbischöfe kam und als Sommerresidenz diente. Dass diese im Jahr 1233 Meersburg das Stadt- bzw. Marktrecht verliehen, hat dem Ort zur Blüte verholfen. Infolge der Reformation verlegten die Fürstbischöfe 1526 ihren Sitz dauerhaft von Konstanz nach Meersburg. Bedingt durch die Säkularisierung fiel die Meersburg 1803 an den Großherzog von Baden, welcher in den alten Gemäuern erst die Provinzialbehörde und schließlich das neu geschaffene Seegericht unterbrachte. 1838 erwarb der Mittelalterforscher Joseph Freiherr von Laßberg zusammen mit seiner Frau Maria Anna von Droste-Hülshoff, Jenny genannt, die Meersburg. In den Jahren 1841-1848 lebte hier mit Unterbrechungen, ab 1846 bis zu ihrem Tode, auch die Schwester der Burgherrin, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Heute befindet sich die Burg im Besitz der Familie Naeßl-Doms, die sich engagiert um deren Erhalt kümmert.

Die Besichtigung der Burg

Besichtigt werden können in der Burg 36 Räume sowie der zauberhafte Garten. Im gotischen Gemach sowie den Renaissance-Räumen lässt sich sehr schön die historische Entwicklung der Burg nachvollziehen. Alle Räume sind liebevoll mit den für die jeweiligen Epochen typischen Möbeln eingerichtet.

Eine aufregende Reise ins Mittelalter

Künstler, Handwerker und Händler aus ganz Deutschland sorgen für ein buntes Treiben in stilechter Kleidung und Ausstattung. Regelmäßig einmal im Monat von April bis Oktober erwacht auf der Burg lebendige Zeitgeschichte, erfüllt Räume, Gänge und Hallen mit Leben. Bei „Living-History“ geben Gruppen ihrem Hobby einen wissenschaftlichen Anspruch und veranschaulichen kompetent die jeweils dargestellten Epochen des Mittelalters. Während der Besucher im Museum die Originalobjekte bewundern kann, werden die Räume der Burg mit echtem Leben erfüllt. Aus der Burgküche dringen verlockende Gerüche und das Gesinde bäckt und kocht nach historischen Rezepten, währenddessen im Rittersaal Rüstzeug und Waffen gepflegt, ausgestellt und anschaulich erklärt werden. Nebenan in der Burgschmiede entstehen im glühenden Schmiedefeuer Messer, Zeltheringe und andere nützliche Gegenstände, die für das Heerlager nötig sind. Adlige Damen sitzen im Palas, nähen, sticken und weben mit fleißigen Fingern Kleidungsstücke und feine Bordüren. Ein Minnesänger lässt seine Laute erklingen und huldigt seiner Herzensdame. In den Räumen der Burg und im Burghof arbeiten historische Handwerker wie Nadelmacher, Holzschnitzer, Papierschöpfer, Töpfer, Bronzegießer, Färber, Buchbinder und viele mehr. Das bunte Treiben eröffnet einen Blick auf den Alltag in der Burg und aus der Summe aller Eindrücke beim Museums-Rundgang entsteht so ein lebendiges Bild längst vergangener Zeiten.

 

„Belebte Burg“ 2017:
22./23. April, 6./7.Mai,
10./11. Juni, 29./30. Juli,
19./20. August, 16./17. Sept.,
6./7./8. Oktober (Meersburger Mittelaltermarkt)


[...] Mehr zur belebten Burg Meersburg im Bodensee Magazin 2017 ab Seite 70.

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