Traumhafte Aussichten …
… hat man vom Reservoir Vogelherd oberhalb von Rorschach aus. Hier zeigt sich der Bodensee nicht nur von einer seiner schönsten, sondern auch von seiner „internationalsten“ Seite: Vom Aussichtspunkt an der Steigstraße nach Heiden aus überblickt man das Schweizer Seeufer, über die Bregenzer Bucht und den Pfänder schweift der Blick hinüber ans deutsche nordufer des Sees, bis er sich im Westen Richtung Konstanz verliert.
Besonders schön ist, dass dieser Platz nicht nur gut zu erreichen ist, sondern auch noch mit einer Panorama-Bank aufwarten kann – dem schwelgenden Träumen gen Sonnenuntergang steht also nichts im Wege …
Seecafé Gottlieben
Egal ob Café Crème und ein Gipfeli zum Frühstück oder ein Apéro mit Chäsküechli am nachmittag mit Freunden, das Seecafé in Gottlieben direkt am Seerhein gelegen, gehört zu meinen liebsten Orten am See. Von dort lässt
sich mit Blick auf das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried eine beschauliche Idylle am Wasser genießen, wenn gelegentlich Boote vorbeituckern und Seevögel sanft landen. Ein einziges Mal wurde sogar ein schwarzer Schwan
gesichtet. Nicht genug, dass das Seecafé einen wunderbaren Kaffee ausschenkt, es bietet zugleich auch als Manufakturladen eine Vielfalt an Gottlieber Spezialitäten an, von den köstlichen Hüppen – hauchfeine Waffelröllchen mit schokoladigen Füllungen – bis zu exquisiten Truffes. Am wichtigsten sind allerdings die Menschen hinter der Theke, die sich mit einer herzlichen Fürsorge und ansteckenden Freundlichkeit um ihre Gäste kümmern.
Gehrenberg – mein Zauberberg
Längst bin ich dem Charme und der Magie der Bodenseelandschaft erlegen und habe Markdorf zu meiner Wahlheimat erkoren. Trotzdem bin ich als Allgäuerin hin und her gerissen zwischen See und Bergen.
So kam es, dass mir der Gehrenberg zum Hausberg wurde, auch wenn er mit seinen 754 Metern kein „richtiger“ Berg ist. Dazu addieren sich immerhin nochmals die 30 Meter Höhe des Aussichtsturmes. Dieser sieht ein bisschen aus wie der Eifelturm en miniature und stammt aus dem Jahre 1903. Nach erklimmen der 149 Stufen, die zugegebenermaßen ein wenig atemlos machen, stellt sich auf wundersame Weise dieses erhabene Berggefühl ein.
Einfach atemberaubend ist die phantastische Rundumsicht und lässt kaum einen Gedanken an die „windige“ Stahlkonstruktion zu. Der Blick schweift von der Zugspitze ganz im Osten über die Tannheimer Berge zu den Allgäuer Alpen; dann weiter über die Gipfel des Bregenzerwaldes bis hinüber zum Alpstein; von dort zu den Churfirsten, den Glarner und Berner Bergriesen wie Tödi oder Eiger, Mönch und Jungfrau. Und wer im Herbst das Glück hat, diese Kulisse bei Föhn bestaunen zu können, wird ganz im Westen sogar das Matterhorn ausmachen.
Eingebettet in die hügelige Drumlin-Landschaft des Linzgaus, liegt der Gehrenberg wie ein träger Koloss ohne ersichtlichen Höhepunkt (abgesehen vom Turm), zwischen Heiligenberg (über 800 m) und Höchsten (838 m). Auch wenn er, was die Höhe betrifft, nicht an die seiner beiden Trabanten heranreicht, hat er alles, was ein „Bodenseeberg“ braucht. Für mich ist er eine Art Zauberberg. Egal, ob man in Oberschwaben, im Appenzell, auf dem Pfänder oder im Thurgau ist, stets erkennt man seine markante Silhouette, die manchmal sogar bei Nebel aus der umliegenden Bodenseelandschaft herausragt.
Es lohnt, sich Zeit zu nehmen, um ihn näher kennenzulernen. Denn viel schöner, als mit dem Auto hinaufzufahren, ist eine Wanderung oder Fahrradtour auf einem der unzähligen, hervorragend beschilderten und familienfreundlichen Wanderwegen sowie auf den etwas anspruchsvolleren Mountainbike-Strecken. Von Markdorf kommend, von Oberteuringen oder vom Deggenhausertal her, führen sie alle, immer wieder mit spektakulären Ausblicken, durch eine abwechslungsreiche Waldlandschaft, die den einzigartigen Charakter des Gehrenbergs ausmachen.
Die sportlichste Variante, den Berg zu erkunden, ist sicherlich der jährlich im Oktober stattfindende, mittlerweile weit über die regionalen Grenzen bekannte Gehrenberglauf. Knapp zehn Kilometer sind zu bewältigen, die Strecke ist ziemlich anspruchsvoll und dabei tut der Berg manchmal schon ein bisschen wie ein großer.
Wer nach so viel Bewegung, sei es beim Laufen, Radeln, Wandern oder Treppensteigen, irgendwann Hunger bekommen hat, kann sich glücklich schätzen, wenn er weiß, wo es ganz in der Nähe die besten „Ofele“ (eine Art Dinnele) gibt. In gut einer halben Stunde Fußmarsch ab dem Aussichtsturm (mit dem Auto oder Fahrrad entsprechend schneller) führt die Straße über den Bergrücken nach Harresheim. Und in aller Munde sind nicht nur Frau Hammers Ofele, sondern auch der Hammerhof. Ursprünglich eine kleine Besenwirtschaft mitten im Grünen auf einem ansehnlichen Gehöft mit eigener Kapelle (wer sich traut, kann hier sogar heiraten!), ist diese „Institution“ mittlerweile zum beliebten Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer oder einfach für (Sonnen-)Hungrige geworden. Auf der großen Holzterrasse lässt sich im Sommer bei einem Bier und einem zünftigen Vesper wunderbar entspannen. Für den Fall, dass es kühler ist, kann man drinnen gemütlich am Holzofen sitzen. Manchmal wird Brot gebacken oder Zopf. Für Kinder gibt es um den Hof herum jede Menge zu entdecken: Kaninchen im Stall, Schafe und Ziegen zum Streicheln, Esel und Gänse, Hängebauchschweine und Pferde. Meist bleibt den Kleinen kaum Zeit zum essen.
Wen dieses stimmig-rustikale Ambiente nicht so schnell loslässt, dem sei empfohlen, die Nacht auf dem Hammerhof im Heu zu verbringen und sich einmal wie Heidi in den Bergen zu fühlen. Diejenigen jedoch, die sich nach Anbruch der Dunkelheit – weil die Sonnenuntergänge hier oben einfach traumschön sind – auf den Heimweg machen, sollten noch einen letzten Zwischenstopp einlegen. Nämlich dort, wo die Straße von Allerheiligen (das heißt wirklich so) steil hinunter führt nach Markdorf. Ein kurzes Stück noch durch den Wald und man findet leicht eine geeignete Stelle, um anzuhalten. Zwar wäre es eine Seltenheit, ganz alleine zu sein – gibt sich doch spätestens hier jeder Romantik-Muffel geschlagen – so fällt der Blick ohnehin nur in eine einzige Richtung: Hinunter zum See mit seinen hell erleuchteten Ausflugsschiffen und den funkelnden Städtchen darum. Ein glitzerndes Sternenmeer!
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