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Leseprobe Rubrik: Bodensee-Perspektiven

Insidertipps

Einzigartige Ausblicke auf See und Berge, charmante Einkehrmög-lichkeiten, spannende Ausflüge für die ganze Familie und versteckte Kleinode am und um den See.

Viel Spaß wünscht Ihr Team vom Bodensee Magazin!

Traumhafte Aussichten …
… hat man vom Reservoir Vogelherd oberhalb von Rorschach aus. Hier zeigt sich der Bodensee nicht nur von einer seiner schönsten, sondern auch von seiner „internationalsten“ Seite: Vom Aussichtspunkt an der Steigstraße nach Heiden aus überblickt man das Schweizer Seeufer, über die Bregenzer Bucht und den Pfänder schweift der Blick hinüber ans deutsche nordufer des Sees, bis er sich im Westen Richtung Konstanz verliert.
Besonders schön ist, dass dieser Platz nicht nur gut zu erreichen ist, sondern auch noch mit einer Panorama-Bank aufwarten kann – dem schwelgenden Träumen gen Sonnenuntergang steht also nichts im Wege …

 

Seecafé Gottlieben
Egal ob Café Crème und ein Gipfeli zum Frühstück oder ein Apéro mit Chäsküechli am nachmittag mit Freunden, das Seecafé in Gottlieben direkt am Seerhein gelegen, gehört zu meinen liebsten Orten am See. Von dort lässt
sich mit Blick auf das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried eine beschauliche Idylle am Wasser genießen, wenn gelegentlich Boote vorbeituckern und Seevögel sanft landen. Ein einziges Mal wurde sogar ein schwarzer Schwan
gesichtet. Nicht genug, dass das Seecafé einen wunderbaren Kaffee ausschenkt, es bietet zugleich auch als Manufakturladen eine Vielfalt an Gottlieber Spezialitäten an, von den köstlichen Hüppen – hauchfeine Waffelröllchen mit schokoladigen Füllungen – bis zu exquisiten Truffes. Am wichtigsten sind allerdings die Menschen hinter der Theke, die sich mit einer herzlichen Fürsorge und ansteckenden Freundlichkeit um ihre Gäste kümmern.

Thomas Willauer

 

Gehrenberg – mein Zauberberg
Längst bin ich dem Charme und der Magie der Bodenseelandschaft erlegen und habe Markdorf zu meiner Wahlheimat erkoren. Trotzdem bin ich als Allgäuerin hin und her gerissen zwischen See und Bergen.
So kam es, dass mir der Gehrenberg zum Hausberg wurde, auch wenn er mit seinen 754 Metern kein „richtiger“ Berg ist. Dazu addieren sich immerhin nochmals die 30 Meter Höhe des Aussichtsturmes. Dieser sieht ein bisschen aus wie der Eifelturm en miniature und stammt aus dem Jahre 1903. Nach erklimmen der 149 Stufen, die zugegebenermaßen ein wenig atemlos machen, stellt sich auf wundersame Weise dieses erhabene Berggefühl ein.
Einfach atemberaubend ist die phantastische Rundumsicht und lässt kaum einen Gedanken an die „windige“ Stahlkonstruktion zu. Der Blick schweift von der Zugspitze ganz im Osten über die Tannheimer Berge zu den Allgäuer Alpen; dann weiter über die Gipfel des Bregenzerwaldes bis hinüber zum Alpstein; von dort zu den Churfirsten, den Glarner und Berner Bergriesen wie Tödi oder Eiger, Mönch und Jungfrau. Und wer im Herbst das Glück hat, diese Kulisse bei Föhn bestaunen zu können, wird ganz im Westen sogar das Matterhorn ausmachen.
Eingebettet in die hügelige Drumlin-Landschaft des Linzgaus, liegt der Gehrenberg wie ein träger Koloss ohne ersichtlichen Höhepunkt (abgesehen vom Turm), zwischen Heiligenberg (über 800 m) und Höchsten (838 m). Auch wenn er, was die Höhe betrifft, nicht an die seiner beiden Trabanten heranreicht, hat er alles, was ein „Bodenseeberg“ braucht. Für mich ist er eine Art Zauberberg. Egal, ob man in Oberschwaben, im Appenzell, auf dem Pfänder oder im Thurgau ist, stets erkennt man seine markante Silhouette, die manchmal sogar bei Nebel aus der umliegenden Bodenseelandschaft herausragt.
Es lohnt, sich Zeit zu nehmen, um ihn näher kennenzulernen. Denn viel schöner, als mit dem Auto hinaufzufahren, ist eine Wanderung oder Fahrradtour auf einem der unzähligen, hervorragend beschilderten und familienfreundlichen Wanderwegen sowie auf den etwas anspruchsvolleren Mountainbike-Strecken. Von Markdorf kommend, von Oberteuringen oder vom Deggenhausertal her, führen sie alle, immer wieder mit spektakulären Ausblicken, durch eine abwechslungsreiche Waldlandschaft, die den einzigartigen Charakter des Gehrenbergs ausmachen.
Die sportlichste Variante, den Berg zu erkunden, ist sicherlich der jährlich im Oktober stattfindende, mittlerweile weit über die regionalen Grenzen bekannte Gehrenberglauf. Knapp zehn Kilometer sind zu bewältigen, die Strecke ist ziemlich anspruchsvoll und dabei tut der Berg manchmal schon ein bisschen wie ein großer.
Wer nach so viel Bewegung, sei es beim Laufen, Radeln, Wandern oder Treppensteigen, irgendwann Hunger bekommen hat, kann sich glücklich schätzen, wenn er weiß, wo es ganz in der Nähe die besten „Ofele“ (eine Art Dinnele) gibt. In gut einer halben Stunde Fußmarsch ab dem Aussichtsturm (mit dem Auto oder Fahrrad entsprechend schneller) führt die Straße über den Bergrücken nach Harresheim. Und in aller Munde sind nicht nur Frau Hammers Ofele, sondern auch der Hammerhof. Ursprünglich eine kleine Besenwirtschaft mitten im Grünen auf einem ansehnlichen Gehöft mit eigener Kapelle (wer sich traut, kann hier sogar heiraten!), ist diese „Institution“ mittlerweile zum beliebten Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer oder einfach für (Sonnen-)Hungrige geworden. Auf der großen Holzterrasse lässt sich im Sommer bei einem Bier und einem zünftigen Vesper wunderbar entspannen. Für den Fall, dass es kühler ist, kann man drinnen gemütlich am Holzofen sitzen. Manchmal wird Brot gebacken oder Zopf. Für Kinder gibt es um den Hof herum jede Menge zu entdecken: Kaninchen im Stall, Schafe und Ziegen zum Streicheln, Esel und Gänse, Hängebauchschweine und Pferde. Meist bleibt den Kleinen kaum Zeit zum essen.
Wen dieses stimmig-rustikale Ambiente nicht so schnell loslässt, dem sei empfohlen, die Nacht auf dem Hammerhof im Heu zu verbringen und sich einmal wie Heidi in den Bergen zu fühlen. Diejenigen jedoch, die sich nach Anbruch der Dunkelheit – weil die Sonnenuntergänge hier oben einfach traumschön sind – auf den Heimweg machen, sollten noch einen letzten Zwischenstopp einlegen. Nämlich dort, wo die Straße von Allerheiligen (das heißt wirklich so) steil hinunter führt nach Markdorf. Ein kurzes Stück noch durch den Wald und man findet leicht eine geeignete Stelle, um anzuhalten. Zwar wäre es eine Seltenheit, ganz alleine zu sein – gibt sich doch spätestens hier jeder Romantik-Muffel geschlagen – so fällt der Blick ohnehin nur in eine einzige Richtung: Hinunter zum See mit seinen hell erleuchteten Ausflugsschiffen und den funkelnden Städtchen darum. Ein glitzerndes Sternenmeer!

Helga Stützenberger

Viele weitere Geheimtipps vom Team des Bodensee Magazins finden Sie in der aktuellen Ausgabe, auch direkt hier online zu bestellen.

Leseprobe Rubrik: Internationale Bodenseeschifffahrt

Die Weiße Flotte

Seeluft schnuppern mit den zwölf Ausflugsdampfer der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB).
Von Ostern bis Herbst bieten diese ein ausgefallenes und abwechslungsreiches Programm. Panoramafahrten laden zum Bestaunen der internationalen Alpenlandschaft ein.

Von Ostern bis in den Herbst hinein sind die zwölf Ausflugsdampfer der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) unterwegs und bieten ein abwechslungsreiches Programm. Zahlreiche Kurs- und Ausflugsfahrten laden die Gäste ein, die wunderschöne Region auf erholsame Weise zu erkunden. Panoramafahrten bieten einen faszinierenden Blick auf die deutsche, schweizerische und österreichische Alpenlandschaft. Aber auch außerhalb der Saison sind die Ausflugsdampfer noch unterwegs. In der kalten Jahreszeit stehen Advents- und Silvesterfahrten im Veranstaltungskalender.

Stern auf dem See
Bei der diesjährigen Flottensternfahrt am 24. April starten sechs Schweizer, österreichische und deutsche Schiffe zu einer Erlebniskreuzfahrt auf dem Bodensee. Ziel der Flottensternfahrt ist in diesem Jahr Konstanz. Musikkapellen und Verlosungen attraktiver Preise sorgen während der Fahrt für Unterhaltung. In Konstanz wird den Gästen an Land ein spannendes Programm geboten. Bevor es mit den Ausflugsdampfern zurück in die Heimathäfen geht, bilden alle teilnehmenden Schiffe vor Konstanz einen Stern.

Zu den schönsten Ausflugszielen
Mit den BSB-Schiffen erreicht man bequem und schnell die schönsten Ausflugsziele in der Bodenseeregion. Die Fahrgäste können die jeweilige Attraktion, ohne zusätzliche Wartezeiten, direkt vom Schiff aus besuchen. Die günstigen Kombitickets werden in Verbindung mit einem Besuch auf der Blumeninsel Mainau, dem Sea Life Konstanz, dem Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, der Burg Meersburg, dem Pfänder bei Bregenz und dem Zeppelin Museum Friedrichshafen angeboten.

Traumhafte Erlebnisse auf hoher See
Das Angebot der Bodensee-Schiffsbetriebe reicht in diesem Jahr von kulturellen Events über romantische Erlebnisse bis zu festlichen Anlässen – für jeden Geschmack ist etwas dabei. In den Sommermonaten können die Gäste bei einer „Happy-Hour-Fahrt“ den Tag gemütlich ausklingen lassen. Außerdem stehen wieder viele Erlebnisfahrten auf dem Programm, zum Beispiel das zünftige Oktoberfest mit typischen Wiesnspezialitäten und Live-Musik. Das „Rädleschiff“ sticht im Oktober mit jungem Wein, einer deftigen Brotzeit und unterhaltsamer Volksmusik zu einer gemütlichen Fahrt in See. Auf dem Partyschiff ist mit wechselnden Mottos den ganzen Sommer über für ausgelassene Stimmung gesorgt.

Kreuzfahrten zu den Bregenzer Festspielen
Auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele wird in diesem Jahr Giuseppe Verdis Oper „Aida“ aufgeführt. Während der Festspielzeit vom 22. Juli bis zum 22. August bringen die BSB-Ausflugsdampfer die Gäste direkt an die Seebühne. Eine gemütliche Abendfahrt stimmt die Festspielbesucher an Bord des Schiffes auf die Aufführung ein.

Kleine Matrosen willkommen!
Kinder sind an Bord der Ausflugsdampfer gern gesehene Gäste. Kinderecken mit Großmemory sorgen auf einigen Motorschiffen auch bei den kleinen Gästen für Unterhaltung. Auf vielen Schiffen können Spiele ausgeliehen werden. Kinder unter sechs Jahren fahren gratis. Mit der „Bodensee-Kinderkarte“ fahren alle Kinder einer Familie von 6 bis 15 Jahren für 4,90 € einen Tag lang auf dem Bodensee.

Leseprobe Rubrik: Kulinarium

Wein des Lichts

Vom Weingenießer zum Weinkenner – eine kleine Anleitung mit Seewein

Weingenuss erscheint vielen als eine Geheimwissenschaft, die zu ergründen nur Wenigen vorbehalten ist. So schließen sie fälschlicherweise daraus, man solle ihnen nur nicht zu guten Wein einschenken, denn es sei schade um die „Perlen“! Sie verstünden einfach nichts davon. Haben sie aber dann vom guten Wein gekostet, so ist meist schon der erste Schritt zur sogenannten Kennerschaft getan. Um Kenner zu werden, muss man viel Wein probieren – guten Wein.

Entspannter Umgang mit der Weinsprache
Wann immer respektvoll von sogenannten Weinexperten gesprochen wird, kommt gleich der Hinweis auf ihre Sprache. Geheimnisvoll verschlüsselt und meist mit einem sehr bunten Strauss von Aromen geschmückt, ist die Weinsprache auch eine herrliche Spielwiese für Scharlatane. Sprache ist eben verführerisch. Aber nicht nur. Wenn das Aufspüren von Aromen in eine Beschreibung eingebettet ist, die die Balance von Säure, Tannin, Süße, Körper und Frische richtig zum Ausdruck bringt und dadurch die Euphorie, die der gute Wein auslöst, spürbar wird, dann kann das Sprechen über Wein zur unterhaltsamen Kunst werden – am schönsten dann, wenn jeder seine eigene Sprache spricht und nicht entlang der üblichen Formeln auf Nummer Sicher geht.

Wie wird man eigentlich Weinkenner?
Sollten Sie vielleicht die weiteren Schritte gleich hier am Bodensee wagen? Dann wird ab heute jede Flasche, jedes Glas Seewein, das Sie genießen, zu einem kleinen Seminar. Das beginnt mit der Auswahl eines Weines. Vielleicht wissen Sie, welche Art von Wein Ihnen schmeckt, aber nicht immer, was sich in einer Flasche und hinter den vielen Bezeichnungen verbirgt, und ob Ihnen gerade dieser Wein gefallen wird. Längst haben Sie vergessen, wie der letzte Wein hieß, der Ihnen so schmeckte.
Wer wirklich den langen, aber schönen Weg vom Weinliebhaber zum Weinkenner gehen will, der sollte sich deshalb stets notieren, was er trinkt und wie es ihm schmeckt. Das kleine Wein-Notizbuch ist immer dabei. Ob im Restaurant, beim Winzer oder Weinhändler.
Das kleine Büchlein (irgendwann sind es viele) zwingt Sie nicht nur, jeden Wein bewusster zu trinken und sich für seine qualitative Einstufung zu entscheiden. Irgendwann fangen Sie an, nachzuschlagen und finden den Wein wieder, der Sie schon einmal begeisterte oder auch nicht. Jetzt müssen Sie nur noch herausfinden: ist es die Rebsorte, die Ihnen so schmeckt? Sind es die Weine eines bestimmten Winzers oder einer bestimmten Landschaft?

Die Sinfonie des Weines
Zugegeben, das ist gar nicht so einfach. Vielleicht sogar das Schwierigste auf dem Weg zur Meisterschaft. Der Geschmack eines Weines wird durch viele Einflüsse geprägt. Um herauszufinden, wie sich das Terroir, ein etwas strapazierter Begriff für Boden und Klima, die Rebsorte und die Handschrift des Winzers im Geschmack des Weines wiederfinden, braucht man schon etwas Erfahrung. In einem guten Wein mit Tiefe und einem komplexen, vielschichtigen Geschmack sind diese Einflüsse ineinander verwoben wie in einem feinen Stoff oder in einem Orchesterstück.
Ein musikalischer Hörer kann die verschiedenen Instrumente heraushören und sie hörend verfolgen. In der Sinfonie des Weines spürt der Genießer den Inhaltsstoffen auf die gleiche Weise nach und erfährt so, warum der Wein so schmeckt, wie er schmeckt. Das ist auf der Leiter zum Verstehen des Weines schon eine bedeutende Stufe höher als die bloße Beschreibung eines Weines, in der wir nicht selten mehr über den ambitionierten Experten oder den launigen Trinker erfahren als über den Wein. Fragen Sie sich öfter mal, woher eigentlich dieses oder jenes Aroma, die auffallende Säure, die mineralische Spannung, der herbe Geschmack oder die Süße eines bestimmten Weines kommt.

Nerven Sie die Weinexperten
Das ist die schwierigste Empfehlung, denn sie erfordert außer der Probiererfahrung und etwas Begabung auch ein paar theoretische Kenntnisse, die man sich aber mit einer kleinen Weinschule oder mit einem geeigneten Seminar aneignen kann. Wenn Ihnen das zu mühsam ist, nerven Sie einfach Ihren Winzer oder Weinhändler mit Ihren Fragen. Solange er geduldig antwortet, gibt es einen guten Trick weiterzukommen. Auf die meisten Antworten der Winzer muss man die Frage „warum“ stellen. Erst die Antwort darauf bringt Sie weiter, und wahrscheinlich auch die folgende.
Erzählt Ihnen der Winzer beispielsweise, ein Wein sei sechs Monate im Stahltank und zwölf Monate im Barrique (ein 225 l fassendes Holzfass) gelegen, was sagt Ihnen das? Nichts, außer eben, wo der Wein gelagert wurde. Wenn er Ihnen aber erklärt, „warum“ er das so macht, dann erfahren Sie einiges über Weinausbau unter Luftabschluss (er sagt dazu „reduktiv“), über das Gegenteil bei der Holzfasslagerung, wenn der Wein mit Sauerstoff in Berührung kommt, und darüber, welchen Einfluss die Eichenfassdauben auf den Geschmack des Weines haben.

Das Fass im Wein
Der Winzer vom Bodensee wird Ihnen verraten, dass z.B. sein roter Spätburgunder am See, mit dem knapp die Hälfte aller Weinberge bepflanzt ist, ein zartbesaiteter Rotwein ist und er ihm deshalb nicht soviel Vanille- und Toast-Aromen aus den Eichendauben zumuten will. Und, dass er den zarten Zögling daher nur kurze Zeit im Holzfass reifen ließ oder, wenn länger, dann jedoch in einem einjährigen Barriquefass, damit seine feinen fruchtigen Aromen von Kirschen oder Sauerkirschen, die aus der Traube kommen, nicht übertönt werden. So haben wir auf die einfach Frage „warum“ gelernt, dass Aromen von der Traube oder aus dem Einfluss des Holzfasses kommen können und dass der geschmackliche Einfluss des Holzes mit seinem Gebrauch abnimmt. Auch, dass Rotwein aus Spätburgundertrauben am Bodensee keine Powerweine sind. Freuen Sie sich, wenn Sie auf dasselbe „warum“ von verschiedenen Winzern unterschiedliche Antworten erhalten. Sie lernen noch mehr.

Zum Thema Leitaromen
Versuchen Sie mal, mit Ihrem nächsten Glas Wein einige Aromen zu erkennen: Überlegen Sie, auf welchem der drei Wege sie in den Wein gekommen sind. Kommen sie aus der Lagerung im Fass, sind sie während der Gärung entstanden und enthalten Aromen von exotischen Früchten und Zitrusfrüchten oder finden wir sie schon in der Traube. Dazu gibt es noch einen Trick: Viele Traubensorten haben sehr charakteristische „Leitaromen“. Deshalb sind ihre Weine auch blind leicht zu erraten. Unter den Seeweinen lässt sich so der Müller-Thurgau mit seinem leichten Muskatbukett erkennen, noch leichter der Sauvignon Blanc mit seinem typischen Duft nach schwarzen Johannisbeeren oder Stachelbeeren. Aus einem Glas Traminer strömt verführerischer Rosenduft. Vielleicht begegnen Sie aber auch einem grünen Veltliner aus Bregenz. Diese österreichische Starsorte überrascht mit einem schwarzen Pfefferton, dem Pfefferl, den Sie schon mit einem Biss in die Beere entdecken können. Wenn Sie aber gar nicht so viel Duft im Weißweinglas finden, dann könnte es sich um die eher neutraleren Sorten Weißburgunder, Grauburgunder oder Chardonnay handeln.
Jetzt wissen Sie, warum die Experten immer so schnell mit dem Aufzählen von Aromen brillieren. Die Weinnasen riechen, was sie riechen wollen oder sollten. Merken Sie sich die Leitaromen, dann riechen Sie erstaunlicherweise mehr. Die Liste ließe sich natürlich über die Grenzen des Sees mit internationalen Rotweinsorten wie dem Cabernet Sauvignon mit seinen Aromen von grünem Paprika oder dem Sangiovese aus der Toskana mit seinem Veilchenduft ergänzen. Doch bleiben wir am Bodensee.

Wein des Lichts – oder die Interpretation des Terroirs
Was ist eigentlich das Besondere am Seewein? Mit den gerade mal 400 ha Rebfläche erreicht der ganze Weinbaubereich am deutschen Ufer nicht mal die Größe eines anderswo gelegenen großen Weingutes. Seine charakteristische, rassige Säure, seine Frische und Fruchtigkeit verleihen ihm jedoch eine eigene Identität. Seewein kann man deshalb leicht wieder erkennen und auf unsere Standardfrage, warum, erklärt uns der Winzer, dass seine Weinberge die höchstgelegenen in Deutschland sind und sich in dieser Höhe die Trauben mehr ihrer Säure bewahren. Am Hohentwiel, dem Vulkankegel im Hegau, steigen die Reben bis 570 m Höhe an. In dieser Höhe gibt es nördlich der Alpen sonst nirgendwo Wein.
Auf dem Weg zur Kennerschaft spüren Sie so mit jedem Glas frischen, filigranen Seeweins dem Einfluss des Klimas auf den Charakter des Weines nach. Die frische Säure kann also sowohl von der Traubensorte kommen, z.B. dem Riesling, wie auch vom Terroir, d.h. am See vom Klima und der Höhenlage der Weinberge. Zu diesem Begriff zählt man auch die Bodenbeschaffenheit, die am See einzigartig ist. Auf mächtigen Molassefelsen liegt eine Schicht Moränenschotter, die eiszeitliche Gletscher vor sich hergeschoben haben. Vergleichen Sie die elegante Fruchtigkeit eines Müller-Thurgaus aus der Birnauer Kirchhalde mit der mineralischen Kraft eines Hohentwielers, wo er, im Gegensatz zu den Weinen direkt vom Seeufer, auf vulkanischem Tuffstein reift, eine Besonderheit am Bodensee.
Dann werden Sie den Einfluss des Terroirs auf den Wein, selbst in einem so kleinen Weinbaubereich am Rande der Alpen, schmecken und studieren können. Die Bodenbeschaffenheit, die Lage des Weinbergs und das Klima prägen den Wein. Am Bodensee ist es auch das Licht, das sich im Spiel des Wassers bricht und mit seiner Kraft die Trauben zur Reife bringt, mit seinem Zauber dem Wein zu seiner Harmonie und seinem Glanz verhilft. Nicht alles muss man im Wein erklären wollen. Ein klein wenig darf man sich auch auf sein Geheimnis einlassen, um ihn zu verstehen.
Manche meinen, dass auch der Winzer zum Terroir gehört. Dafür spricht, dass wir gerne schwärmen, er sei mit seinem Weinberg verwurzelt. Er bestimmt mit seiner Arbeit im Weinberg und im Weinkeller die Qualität und den Charakter des Weines. Die besten Winzer sehen sich als natürliche Geburtshelfer. Sie greifen so wenig wie möglich in das Werden des Weines ein. Er soll die Rebsorte und seine Herkunft widerspiegeln. Das ist es ja, was wir im Wein finden und schmecken wollen.

Was guter Wein ist
Damit haben wir auch die Frage beantwortet, was ein guter Wein ist. Die Antwort auf die meistgestellte Frage auf dem Weg zum Weinkenner ist nicht die viel zitierte „Geschmackssache“. Das spüren Sie ganz genau, wenn Sie ein Glas Seewein trinken und sich mit der Aufmerksamkeit des Weinliebhabers alles von ihm über Traube und Weinberg erzählen lassen. Dann wird er Sie auch mit seiner Harmonie von frischer Säure, verspielten Aromen, Mineralstoffen, Alkohol und Süße verzaubern. Er wird Sie schließlich alle Regeln und Theorien über den Wein wieder vergessen lassen, von denen wir Ihnen einige verraten haben. Oscar Wilde drückte es so aus: „Denken ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis“.

Leseprobe Rubrik: Insel Mainau

Feurige Farben - Azure Aromen

Mainau-Blumenjahr 2010
Vielfältige Farben, zarte sowie berauschende Düfte, fröhliche und ruhige Klänge, schmeichelnde Aromen – das Blumenjahr auf der Insel Mainau bietet ein Fest für die Sinne.

Vielfältige Farben, zarte sowie berauschende Düfte, fröhliche und ruhige Klänge, schmeichelnde Aromen – das Blumenjahr auf der Insel Mainau bietet ein Fest für die Sinne. Im Vordergrund stehen in Park und Gärten Farbe und Duft, doch es werden noch weitere Sinne angesprochen. So bieten eigens zu diesem Thema gestaltete Installationen und Pflanzungen besondere „Quellen für die Sinne“, die spielerisch Informationen zu menschlichen Wahrnehmungen und dem Verhalten der Pflanzen vermitteln. In der „Arena der Abenddüfte“ verströmen Engelstrompeten in der Dämmerung des Sommers ihren Duft. Neuheiten gibt es bereits am Insel-Eingang beim Mainau-Träff sowie in der Schwedenschenke, die zu einem schwedischen Landgasthof umgestaltet wurde, und mit dem neu angelegten Staudengarten.

Üppiger Blütenflor das ganze Jahr über, ein Park mit einem über 150 Jahre alten Baumbestand, die barocke Pracht der Schlossanlage, dazu der mediterrane Charakter – das ist die Mainau, die Blumeninsel im Bodensee. Graf Lennart Bernadotte († 2004), Urenkel von Großherzog Friedrich I. von Baden, gestaltete den verwilderten Park zu einem Blumen- und Pflanzenparadies um. Die heutige Bernadotte-Generation ist bestrebt, die seit 1932 geltende Philosophie weiterzuführen, um Besuchern aus aller Welt eine Oase der Naturschönheit, Harmonie und Entspannung zu bieten. Über eine Million Besucher pro Jahr zählt das 45 Hektar große Eiland im Bodensee. Mit einem den Jahreszeiten folgenden Blütenreigen, dem wertvollen Arboretum, einem der größten Schmetterlingshäuser Deutschlands sowie den außergewöhnlichen Spielplätzen „Wasserwelt“ und „Blumis Uferwelt“ im Kinderland und weiteren Besonderheiten ist die Mainau die größte Touristenattraktion am Bodensee.

Start in den Frühling
Traditioneller Start ins Mainau-Blumenjahr ist die Orchideenschau im Palmenhaus (19. März bis 2. Mai) mit rund 3.000 Pflanzen. Die Schau „Blumen und Poesie“ stimmt vom 19. März bis 5. April in der Schlosskirche auf den Frühling ein. „Feurige Farben – Azure Aromen“ gilt auch für die Frühjahrsblüte im Freien. Über eine Million Tulpen, Narzissen und Hyazinthen säumen ab April die Frühlingsallee und die Beete auf der Mainau. Auf die Frühjahrsblüher folgen dann Rhododendren und Azaleen sowie im Juni die Pracht der Pfingstrosen.

Rosenkönigin
Ein Highlight im Blumenjahr ist alljährlich der Rosenmonat Juni. Auf der Mainau präsentiert sich die Königin der Blumen in mehr als 1.200 Sorten entlang der Promenade der Wild- und Strauchrosen und im Italienischen Rosengarten, der bereits 1871 von Großherzog Friedrich I. von Baden am Fuß des Schlosses angelegt wurde. Die Schönste der Schönen wird im Rahmen der Wahl der Mainau-Rosenkönigin (11. bis 27. Juni) durch die Besucher ermittelt.

Fest für die Sinne
Die Mainau lädt in diesem Jahr ein, die Sinne zu schärfen und zu trainieren. Den didaktisch-spielerischen Teil stellen dabei sogenannte „Quellen für die Sinne“ dar. Dies sind sechs Installationen im Mainau-Park. Ganz am Anfang steht die „Urquelle“, eine Station, die die Basisinformation zur Sinneswahrnehmung beim Menschen, aber auch bei der Pflanze vermittelt. Auch die Saisonalen Gärten haben auf der Mainau inzwischen Tradition. Diese auf eine Fläche von etwa 100 Quadratmetern beschränkten Anlagen sind jeweils nur in einer Saison zu sehen. Ab 7. Mai geht es in den fünf Gärten um „Sinnestäuschungen“. Im Ufergarten unterhalb der Weinbergmauern entsteht ein neuer, großflächiger Staudengarten, dessen Bepflanzung im Lauf des ganzen Jahres immer wieder überraschende pflanzliche Höhepunkte entfalten wird.

Herbst und Winter
Ein weiteres Highlight ist alljährlich die Dahlienblüte im Ufergarten, die farbenfroh den Herbst ankündigt. Über 12.000 Dahlien in mehr als 250 Sorten entfalten ein wahres Blütenfeuerwerk und wetteifern um die Gunst der Besucher, die vom 3. September bis 3. Oktober entscheiden, welche Sorte Mainau-Dahlienkönigin wird. „Erntedank“ ist das Thema der Herbstausstellung im Palmenhaus (24. September bis 24. Oktober). Um erneuerbare Energien und Mobilität in Theorie und Praxis geht es vom 10. bis 12. September. Rund 60 Aussteller zeigen, wie moderne Energien genutzt werden können. Dazu gibt es Vorträge und Aktionen.

Gräfliche Feste
„Bummeln, Einkaufen, Genießen“ ist das Motto des Gräflichen Inselfestes, bei dem vom 13. bis 16. Mai rund um das Schloss Vielerlei für Haus und Garten geboten ist. Zum bunten Rahmenprogramm gehören unter anderem Hut-Modenschauen sowie Unterhaltsames für die kleinen Besucher. „Noblesse Oblige“ heißt es dann beim Gräflichen Schlossfest. Das Einkaufserlebnis im barocken Mainau-Schloss bietet vom 30. September bis 3. Oktober Auserlesenes und Exklusives.
„Verliebt, verlobt, verheiratet“
Hochzeit auf der Insel Mainau – romantischer geht’s nicht! Die Mainau bietet alles für den schönsten Tag im Leben: den Roten Salon für die standesamtliche, die barocke Schlosskirche für die kirchliche Trauung. Der Aperitif kann im Italienischen Rosengarten oder im Palmenhaus stattfinden, für Empfang und Festessen stehen Räumlichkeiten mit bis zu 300 Plätzen zur Verfügung. Was sonst noch zum schönsten Tag im Leben gehört, zeigt am 6. und 7. November die Hochzeitsmesse auf der Mainau.

Mainau-Kultur
Zwei Ausstellungen im Schloss zeigen unter dem Motto „Künstler sehen die Mainau“ Werke von Marietta Gianella Berry, Arthur Bates von Cleef, Wolf Lüthy und Peter Ritzer (16. April bis 6. Juni und 17. September bis 21. November). „Artist at work“ heißt es vom 7. bis 13. Juni. Im Rahmen eines Wettbewerbes kreieren 15 KünstlerInnen in einem Zelt Skulpturen aus Beton. Die Kunstwerke werden im Arboretum ausgestellt und im Herbst versteigert. Die „Klingende Mainau“ findet am 8. Mai statt mit musizierenden Schulgruppen und Laienmusik-Ensembles aus Baden-Württemberg und die „Mainau Melodie“ mit Kinder- und Jugendchören und Orchestern erklingt am 18. Juli. Auch die Reihe „Jazz unter Palmen“ steht wieder auf dem Programm.

Mainau Akademie
Die Mainau Akademie vermittelt in ihren Seminaren Praktisches für Gartenfreunde. Die Palette reicht vom Orchideenseminar über „Pfiffige Ideen für Kübel und Kästen“ bis zum Rosenpraktikum. Der Natur näher kommen Teilnehmer auch beim Makrofotografie-Workshop oder dem Wünschelrutenseminar.

Mainau-Gastronomie
Ein wichtiger Bestandteil der Insel ist die Gastronomie mit Schwedenschenke, Comturey-Keller, Rothaus Seeterrassen, Schlosscafé, Mainau-Träff, Würstle-Grill und Schmetterlingsbistro. Die Mainau-Küchenchefs erfreuen die Gäste mit einem Angebot an regionalen Spezialitäten der jeweiligen Jahreszeit: mit Spargelwochen im Frühjahr, „Pfifferlinge & Co“ oder „Wild und Kürbis“ im Spätsommer und Herbst. Beliebt sind auch die Soireen: die Orchideen-Soiree im Palmenhaus (24. April), Rosen-Soiree in der Schwedenschenke (12. Juni), oder die Dahlien-Soiree im Comturey-Keller (10. September).
Ab Oktober gibt’s die Winter-Klassiker: Sonntags-Brunch im Comturey-Keller sowie die traditionellen schwedischen Weihnachtsbuffets „Julbord“. Im Palmenhaus gibt es im Anschluss an das Lucia-Singen in der Schlosskirche (12. Dezember) und beim Lucia-Fest (13. Dezember) ebenfalls das „Julbord“.

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