Leseprobe Bodensee Magazin / Rubrik: SeeGeschichten

Schiffsverkehr

Eine der schönsten Arten, die Weiten des azurblauen Bodensees und seine unvergleichliche Land-
schaft zu erleben, ist die Fahrt auf einem Schiff. Da gibt es zum einen die internationale „Weiße Flotte“ – eine der größten Binnenschifffahrts-
flotten Europas.

Nicht minder erholsam sind die Fahrten mit den Autofähren Konstanz-Meersburg und Romanshorn-Friedrichshafen. Besonders flott geht es mit dem Katamaran von Konstanz nach Friedrichshafen und umgekehrt.

Entdeckungsreisen mit der Weißen Flotte

Vom Frühling bis spät in den Herbst kreuzen die Personenschiffe der „Weißen Flotte“ im Kursverkehr über den See. Die Schifffahrtsgesellschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten mit über 30 Schiffen einen lückenlosen Fahrplan, um sämtliche Bodensee-Städte, viele Dörfer und Ausflugsziele per Schiff zu erreichen. Die Schiffe selbst sind sehr verschieden: Vom modernen Konferenzschiff bis zu den charmanten „old ladies“ aus den 30er Jahren umfasst die Flotte unterschiedlichste Schiffstypen. Das älteste Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), das Motorschiff (MS) „Baden“, stammt aus dem Jahr 1935. Allerdings gehört es schon zu der Generation von Schiffen, die nicht mehr unter Dampf, sondern mit Diesel fuhren. Heute wird das MS „Baden“ als schwimmendes Denkmal bewundert. Zusammen mit dem Schwes terschiff „Schwaben“ (gebaut 1937) ist es als Denkmal eingestuft. Beide Schiffe werden nach wie vor im Kursverkehr eingesetzt. Für eine neue Ära moderner Schiffe stehen auf deutscher Seite das MS „Lindau“ (Baujahr 2006) und MS „Überlingen“ (2010) bereit. Die Geschichte der Kursschifffahrt auf dem Bodensee beginnt übrigens bereits im Jahr 1824. Damals wurde der erste regelmäßige Kursverkehr zwischen Friedrichshafen und Rorschach mit dem Dampfschiff (DS) „Wilhelm“ eingerichtet. Die eigenständige Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) gehört selbstverständlich zur internationalen Bodenseeflotte. Das 60 Jahre junge MS „Säntis“ wurde auf der SBS-eigenen Werft zur eleganten Yacht umgebaut. Stilvolle und edle Materialien verleihen dem Schiff ein luxuriöses Ambiente. Künftig finden 120 Personen einen Sitzplatz im Hauptdeck. Das Oberdeck ist mit einer Bar ausgestattet und bietet elegante Sitzgelegenheiten für Apéros. Ein einladendes Sonnendeck rundet das Ganze ab. Technisch besticht das MS „Säntis“, die „Yacht für einen Tag“, mit modernster Event-Technik. Es ist somit bestens geeignet für Seminare oder Präsentationen anlässlich von Feierlichkeiten, Charter- und Hochzeitsfahrten Im Herbst 2008 wurde der Bodensee um eine Attraktion reicher: das MS „Sonnenkönigin“ wurde in Dienst gestellt. Als Teil der österreichischen Vorarlberg Lines ist das futuristisch anmutende Luxusschiff ein einziger Superlativ. […]

Als die Lichter am See ausgingen

In den Hochsommermonaten des Jahres 1939 nahm das Leben am See vorerst noch seinen gewohnten Verlauf. Nur wenige ahnten die akute Gefahr eines bevorstehenden Weltkriegs. Seeanwohner und Feriengäste verdrängten ihre Ängste. Ab dem 1. September 1939, dem Tag des Überfalls Nazideutschlands auf Polen, begann wie bei einer Quelle, der man plötzlich das Wasser abgegraben hatte, der Touristenstrom zu versiegen. Sämtlichen Sport- und Privatbooten wurde die Erlaubnis zur Benutzung entzogen und wegen einer möglichen Fluchtgefahr in die Schweiz requiriert. Um jegliche Fluchtgefahr zu unterbinden, wurden selbst Badeflöße und Bojen entfernt. Ein endgültiges Fahrverbot für die Schifffahrt erfolgte ab Juni 1941 mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion. Der Krieg, der zunächst mit seinen direkten Auswirkungen noch fernab der Bodenseeregion tobte, begann 1942 mit den ersten Einflügen alliierter Flugzeuge, auch im tiefsten deutschen Süden anzuklopfen. Nach und nach erhielten alle deutschen Bodenseeschiffe einen marinegrauen Tarnanstrich aufgetragen. Im Sommer 1943 erfolgten die ersten schweren Luftangriffe auf die Stadt Friedrichshafen. Ziel war es, die Luftfahrt- und vielschichtige Rüstungsindustrie auszuschalten. In der Nacht zum 28. April 1944 erlebte Friedrichshafen den bis dahin schwersten Luftangriff durch die britische Royal Air Force. Bei diesem Angriff wurden besonders die Altstadt und das Hafengelände schwer in Mitleidenschaft gezogen. Als in der zweiten Aprilhälfte 1945 französische Truppen den westlichen Bodensee erreichten, sah ein längst sinnlos gewordener NS-Befehl die Versenkung aller in Lindau und Bregenz stationierten Bodenseeschiffe vor. Doch der Vorstand der Reichsbahndirektion Augsburg, Dr. Alfred Otter, war nicht gewillt, die ihm unterstehenden Schiffe diesem Wahnwitz zu opfern. Nach geheimen Verhandlungen mit schweizerischen Behörden in Buchs erhielt Otter die Zusage, alle betroffenen Schiffe in die Häfen Romanshorn, Arbon und Rorschach zu überführen. Für diese mutige Aktion wurde Dr. Otter später mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1945 nahmen sämtliche Schiffe aus den Häfen Lindau und Bregenz Kurs auf das Schweizer Ufer. […]

Mehr zur Bodenseeschifffahrt und ihrer spannenden Geschichte im Bodensee Magazin 2017 ab Seite 30

Zur Magazinbestellung

 

News

News aus der Urlaubsregion Bodensee

Veranstaltungen

Veranstaltungsübersicht und -suche für spannende Tage und Nächte am Bodensee

© 2010-2013 Labhard Verlag Konstanz/Bodensee | Design: SMD | Kontakt | Impressum | Sitemap
Verlagsthemen: Bodensee | Oberschwaben | Sachsen | Wirtschaft | Garten