Als Hortense de Beauharnais, Exkönigin von Holland und gewesene „Première Dame de France“ im Jahr 1816 erstmals auf den Arenenberg kam und sich blindlings in die Anlage verliebte, ahnte sie wahrscheinlich nicht, dass sie sich auf einem der geschichtsträchtigsten Schlösser der Bodenseeregion befand.
Obwohl sich die meisten Besucher heute auf die Zeit der Familie Bonaparte konzentrieren, darf man nicht vergessen, dass auch schon zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert eine im wahrsten Sinne des Wortes blühende Gartenbautradition auf dem damals „Narrenberg“ genannten Anwesen bestand; in vielen Details lässt sie sich auch noch im 21. Jahrhundert wieder erkennen. Leider wissen wir noch zu wenig über die Ideen und Verbindungen der Besitzer des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, aber die vorhandenen Spuren weisen doch eindeutig ins Italien und Frankreich der Renaissance - kein Wunder, gehörten Konstanz und der Thurgau zusammen mit dem gesamten Bodensee damals doch noch zu den zentralen Regionen Europas! Somit lässt sich also über mindestens 600 Jahre eine direkte Linie nachvollziehen, die ihren Höhepunkt sicher ab 1816/17 im gartentechnischen Schaffen der Familie de Beauharnais/Bonaparte fand. Grosse Namen sind mit ihr und Schloss Arenenberg verbunden: Die Franzosen Louis-Martin Berthault (er schuf die Anlagen von Malmaison und St. Leu bei Paris), Aimé Bonpland und Pierre-Joseph Redouté, dessen „Description des plantes rares cultivées à Malmaison et à Navarre“ („Beschreibung der seltenen Pflanzen, die in Malmaison und Navarre kultiviert werden“) auch am Untersee Verwendung fanden. Der preussische Naturforscher Alexander von Humboldt und die Gartenplaner Hermann von Pückler-Muskau bzw. Peter Joseph Lenné standen genauso im Kontakt mit der kaiserlichen Familie wie Karl Friedrich Schinkel, der den Arenenberg während der 1830er-Jahre besuchte. Der bayrische Landschaftsarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell schliesslich arbeitete für Eugène de Beauharnais, den Bruder von Königin Hortense und entwarf vielleicht den ebenfalls am Untersee gelegenen Park von Schloss Eugensberg (im Privatbesitz und nicht zugänglich).
Ähnlich eines Samenkorns, das man in die Erde steckt und aus dem sich anschliessend eine Pflanze mit neuen Samen entwickelt, bildete der Arenenberg im 19. Jahrhundert das Zentrum für eine zunächst am Untersee und später in der ganzen Region einsetzenden Entwicklung. Rings um die kaiserliche Domäne entstanden nach ihrem Vorbild grössere und kleinere herrschaftliche Parkanlagen, die zum Teil noch heute vorhanden sind. Als berühmteste davon kann sicher die „Blumeninsel“ Mainau genannt werden, deren Ursprünge auf den Fürsten Nikolaus von Esterházy zurück gehen, der das Eiland im Jahr 1827 kaufte und sofort mit der Anlage eines Landschaftsparks begann. Nicht umsonst spricht man noch heute vom Ufer zwischen Konstanz und Arenenberg bzw. Stein am Rhein als von der „Côte Napoléon“, von der „napoleonischen Küste“. So entwickelte sich ein gärtnerisches Netzwerk, das sich allmählich nicht nur am Bodensee, sondern in ganz Europa bzw. der damals bekannten Welt verbreitete. Pflanzen und botanische Tipps wurden ausgetauscht und viele Verbindungen geknüpft. Dabei griffen die Bonapartes natürlich auf viel ältere Verbindungen zurück, die sie schon während des Kaiserreiches durch ihre dynastischen Verbindungen geknüpft hatten (siehe hierzu „Die Bonapartes als Gartenbauer“).
Bis 1906 blieb der Arenenberg im Familienbesitz. Damit sind das Schloss und sein Park die am längsten durch die
Napoleoniden beeinflusste Anlage auf der Welt. Dank seiner weit über 600-jährigen Gartenbautradition, seiner original restaurierten Wege und Installationen sowie der mit ihm verbundenen grossen Namen stellt er ein Juwel nicht nur am Bodensee dar, sondern reiht sich ein in die bedeutenden europäischen Landschaftsparks. Dass er sich mit seinen 12 Hektaren vergleichbar eher kleinräumig präsentiert täuscht. Nach den Vorstellungen Kaiser Napoleons III. gehört nicht nur der eigentliche Grund und Boden dazu, sondern das ganze Bodenseegebiet von den Alpen bis zum Rheinfall.
Durch seine einzigartige Lage erreicht er so eine Grösse und Schönheit, die selbst den wählerischen Fürsten von Pückler-Muskau schwärmen liess: „Ich fand den Ort, schöner noch, als ich erwartet hatte, und über alle Beschreibung hinreissend die Aussicht auf Konstanz, die drei Arme des Sees, die Menge der umliegenden Dörfer im Tal, und die weite mit Weinbergen und weiss blühenden Obstbäumen bedeckte Gegend. [...] Nur eine geringe Unterstützung durch Menschenhände, und der schönste englische Garten wäre geschaffen, den zu sehen man vielleicht nachher hunderte von Meilen zurücklegen würde, da jetzt wenig Menschen nur die Existenz dieser herrlichen Gegend kennen.“
Dominik Gügel



