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Leseprobe Rubrik: Themen

Weit mehr als nur ein Badesee

Palmen an den Uferpromenaden, Weinberge und Wiesen mit Apfelbäumen an den sanften Hängen der Uferregionen. Dahinter, an klaren Tagen zum Greifen nah, die Kette der Alpengipfel.

Palmen an den Uferpromenaden, Weinberge und Wiesen mit Apfelbäumen an den sanften Hängen der Uferregionen. Dahinter, an klaren Tagen zum Greifen nah, die Kette der Alpengipfel. Der Bodensee vereint maritimes Flair mit dem Reiz der hügeligen Voralpenlandschaft. Zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein besticht die internationale Bodenseeregion aber nicht nur durch ihren landwirtschaftlichen Reiz, sondern auch durch ein abwechslungsreiches Freizeitangebot für jeden Urlaubsgeschmack.

Gehen Sie auf Entdeckungsreise und lassen Sie sich von der Einzigartigkeit der Bodenseeregion verzaubern.

Wellness-Oasen für Vital-Urlauber
Im Moor entspannen, in heißen Quellen baden oder den Kreislauf beim Treten im eiskalten Wasser in Schwung bringen: Gesundheitsbewussten Urlaubern bietet die internationale Bodenseeregion ein unerschöpfliches Angebot für Geist, Körper und Seele.

WOHLFÜHLEM MIT SEEBLICK: WELLNESSANGEBOTE AM BODENSEE | Eine geballte Ladung Wellness bietet das Thermen-Trio am Bodensee. Mit einer Bäder-Kombikarte kann man die Überlinger Bodensee-Therme, die Meersburg-Therme und die Bodensee-Therme Konstanz mit 15-prozentiger Ermäßigung auf ihren Wohlfühl-Faktor testen. Die drei hochmodernen Thermal- und Freizeitbäder mit direktem Seezugang bestechen durch eine anspruchsvolle, individuelle Architektur, einen großzügig gestalteten Thermalbereich und eine abwechslungsreiche Saunalandschaft. Saunafans finden darüber hinaus bei „Bora – der Sauna-Oase am See“ in Radolfzell ein vielfältiges Angebot. Neben drei verschiedenen Saunen, Sanarium und Dampfbad versprechen hier Steinduschen, Seezugang, Pool, eine Kaminecke und ein Ruheraum im 1001-Nacht-Stil wohlige Entspannung.
Entlang der Schwäbischen Bäderstraße zwischen Bodensee und Unterallgäu reihen sich neun Heilbäder aneinander und schöpfen für ihre spezifischen Therapieangebote aus der vielseitigen Landschaft mit ihren einzigartigen Seen, Mooren und Rieden. Die wichtigsten Naturheilmittel sind das über Jahrtausende entstandene Moor und das schwefel- und fluoridhaltige Thermalwasser, das aus einer Tiefe von bis zu 1.800 Metern an die Erdoberfläche sprudelt. Die Thermalbäder der Schwäbischen Bäderstraße bieten teilweise ganze Bäderlandschaften – von Sauna- und Römerbad bis hin zur Dampfgrotte, vom Familienbad bis zur Vitaminbar oder Duftraum. Die Innen- und Außenbecken machen den Besuch zu einem ganzjährigen Erlebnis.

AUF STELZEN ODER MIT 30ER-JAHRE-CHARME: ETWAS ANDERE STRANDBÄDER | Natürlich lassen sich rund um den Badesee Bodensee zahlreiche Strandbäder – mit etwas Glück wie beispielsweise in Öhningen sogar mit Sandstrand – für ausgelassenen „Planschspaß“ finden. Vorgestellt seien hier aber drei außergewöhnliche Exemplare für das besondere Badeerlebnis. Um hundert Jahre zurück versetzt fühlt man sich bei einem Besuch in der Rorschacher Badhütte am schweizerischen Bodenseeufer. Von den Einheimischen kurz „Badi“ genannt, mutet sie an wie die steinzeitlichen Pfahlbauten. Denn die geschichtsträchtige hölzerne Badeanstalt steht auf Pfeilern im See und ist nur über eine Brücke vom Ufer aus erreichbar. Ihr österreichisches Äquivalent befindet sich in Bregenz: das ehemalige Militärbad, kurz „Mili“. Der Holzpfahlbau ragt schon seit 1825 in der Biege zur Bregenzer Bucht aus dem See und ist damit die älteste Badeanstalt am See. Einen ganz eigenen Charme bietet dagegen das Konstanzer Rheinstrandbad. Vor der nostalgisch-geschwungenen Architekturkulisse, des aus den 30-er Jahren stammenden Kur- und Hallenbads, breitet sich direkt am Ufer des Seerheins die Flussbadeanstalt aus. Von der großzügigen Liegewiese aus genießt man den Blick auf die Altstadt und profitiert beim Bad im kühlen Rhein von der natürlichen „Gegenstromanlage“. Diesen Genuss gibt es auch weiter seeabwärts, im neu gestalteten Strandbad in Gailingen mit Blick auf das Schweizer Diessenhofen.

Eldorado für Aktiv-Urlauber
Ob auf Rollen, Rädern, Schusters Rappen oder über das Wasser paddelnd – dem aktiven Urlauber bieten sich am internationalen Bodensee immer wieder neue Perspektiven auf die atemberaubende Seelandschaft. Mannigfache Sportmöglichkeiten und eine gute Infrastruktur lassen dabei keine Wünsche offen. Bei Radtouren rund um den See oder kleinen Abstechern ins Hinterland lässt sich die Vielfalt der Region erkunden. Am Südufer lockt das Thurgauer Skaters-Paradise mit perfekt geteerten Wegenetzen Inline-Skater auf die Piste. Wanderer und Mountainbiker wagen sich etwas weiter südlich und erobern die voralpine Landschaft rund um St.Gallen und das Fürstentum Liechtenstein. Rasant sind Sie mit dem Bananenboot oder beim Wasserskifahren unterwegs. Verschiedene Wassersportschulen in Langenargen und Überlingen oder im schweizerischen Berlingen am Untersee bieten Surfkurse oder nach Terminvereinbarung Wasserski- und Wakeboard-Runden an. In ruhigeren Gewässern fahren Sie per Tretboot in zahlreichen Hafenstädten wie Konstanz, Wasserburg oder dem schweizerischen Rorschach. Besonders beliebt sind die geführten und ungeführten Kanutouren, wie z.B. am malerischen Untersee.
An schönen Tagen zieren schwärme weißer Segel die dunkelblaue Wasserfläche des Bodensees. Wer möchte da nicht einfach einmal mitsegeln? In vielen Segelschulen rund um den See ist das problemlos möglich. Beim „Gäste-Segeln“ können auch Segel-Laien, begleitet von einem erfahrenen Skipper, auf einer Segelyacht die Weite des Sees und das eindrucksvolle Alpenpanorama vom Boot aus erleben.

Genuss aus dem Füllhorn der Natur
Der Bodensee ist in vielerlei Hinsicht ein verwöhntes Fleckchen Erde. Das milde Klima und der fruchtbare Boden erlauben eine reiche Ernte an Obst, Salat und Gemüse, Trauben für weltbekannte Weine und Hopfen für bestes Bier. Schlemmen auf Bodenseeart heißt, eine wunderbar vielfältige Küche genießen. Seien es nun die typischen Bodenseefische wie Felchen und Kretzer, die Schweizer Rösti, die alemannischen Dünnele oder aber die Vorarlberger Riebel – Authentizität und Qualität sind selbstverständlich. Diese kulinarische Kultur wird durch regionale Produktförderung mit Anbietergemeinschaften wie „Gutes vom See“, den „Linzgau Köchen“, „Schlaraffenland Thurgau“, „Vorarlberg isst“ und vielen anderen nachhaltig gepflegt. Genießen Sie Ihre persönlichen kulinarischen Highlights im Paket: z.B. auf dem Raddampfer Hohentwiel mit dem Captain’s Dinner, auf den Festspielfahrten mit der Bodensee-Schifffahrt oder eines der vielen Arrangements der Hotels, Restaurants oder Winzervereine. Alljährlich im September finden die Apfelwochen am Bodensee statt – in den beteiligten Orten am Nordufer des Bodensees dreht sich in dieser Zeit alles um den frisch gereiften Vitaminspender.
Übrigens: Auf den verschiedenen Wochen- und Bauernmärkten oder in den Hofläden rund um den See bekommen Sie ganzjährig exquisite kulinarische Spezialitäten und Probiererle: „Darf’s ein bisschen mehr sein?“

Leseprobe Rubrik: Orte

Überlingen bewegt

Erholung für Körper, Geist und Seele oder „einfach leben“, so lautet die Lebensphilosophie in Überlingen.

Südliches Flair, die längste Uferpromenade am See, Parkanlagen, zahlreiche Sehenswürdigkeiten, badische Gastlichkeit, eine schöne historische Altstadt und die Internationalität des Bodenseeraumes prägen das Bild der traditionsreichen Ferienstadt am Bodensee. Erholung für Körper, Geist und Seele oder „einfach leben“, so lautet die Lebensphilosophie in Überlingen. Mit angenehm mildem Klima, einer herrlichen Landschaft, zahlreichen Gesundheits- und Freizeitangeboten sowie einer kulturellen Vielfalt lässt sich hier Gesundheit und Wohlbefinden, Erholung und Genuss hervorragend verbinden.

KNEIPPEN UND FASTEN MIT SEEBLICK | Überlingen ist nicht nur Ferienstadt, sondern auch Hochburg der Naturheilkunde, des Heilfastens nach Buchinger und F. X. Mayr. Hier teilt man nicht nur die Freude am Leben, sondern auch das Wissen um Wohlbefinden und Gesundheit. Die attraktive Thermenstadt besitzt über 50 Jahre Erfahrung und Kompetenz als Fastendomäne und Kneippheilbad. In eindrucksvoller Aussichtslage auf Anhöhen über dem See gelegen, bieten Kurkliniken und Kurhotels neben gesundheitlichem Nutzen auch Genuss von Lage und Landschaft.

LAUFZENTRUM AM SEE | Als eines von vier Laufzentren in Heilbädern in Baden-Württemberg bietet Überlingen mit kompetenten Partnern ein vielfältiges Aktivangebot: Eine ausgeschilderte Halbmarathonstrecke mit immer wieder herrlichen Ausblicken über den See, flache bis anspruchsvolle Laufstrecken, spezielle Trainingscamps und andere sportliche Arrangements bieten Anfängern wie geübten Läufern zahlreiche Möglichkeiten, in Bewegung zu bleiben. Kommen Sie zum Lauftraining in eine der schönsten Ferienregionen Europas.

KRAFT TANKEN | Freizeit und Fitness werden in Überlingen ganzjährig groß geschrieben: Rad fahren, Wandern, Schwimmen, Surfen, Segeln, Golfen, Tennis, Reiten, Laufen oder Walking – für jeden Bewegungstyp gibt es viele Möglichkeiten, sich fit und gesund zu halten. Das angenehm milde Klima, die herrliche Landschaft und das geradezu südländische Flair der einst freien Reichsstadt schaffen eine besonders erholsame Atmosphäre. Auch die Bodensee-Therme mit Sport- und Thermalbad, großzügiger Saunalandschaft und Wellness-Bereich sowie die zahlreichen Gesundheitsangebote bieten die besten Voraussetzungen, um Kraft zu tanken und verloren gegangene Reserven aufzufüllen.

Leseprobe Rubrik: Ernährung

Essen, was man kennt

Die Bodenseeregion und ihre Lebensmittel-Erzeuger wollen Appetit machen auf ihre Produkte, und das fällt angesichts der Skandale der letzten Jahre in der nahrungsmittelproduzierenden Industrie gar nicht so leicht oder gar nicht so schwer. Je nach dem, wie man es sieht. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Gammelfleisch oder an einfach umettiketierte Fleischwaren, an sogenannten Analog-Käse auf der Pizza, an mit Dioxin belastete Mozarella, an Glykol-Weine oder mit Pestiziden behaftete Tafeltrauben, Salmonellen wahlweise in der Mettwurst oder in den Eiern, an gepanschte Speiseöle und mit Methylalkohol vergifteten Schnaps. Neuerdings kennen wir auch Klebeschinken. Die Liste ließe sich noch beliebig verlängern, ich denke aber, Ihnen ist schon schlecht. Oder hätten Sie noch Appetit auf vergammelte Schweineköpfe, die 2008 in Niedersachsen zu Wurst verarbeitet wurden?
Das Tagesangebot einer Supermarktkette in der hieisigen Tageszeitung offeriert heute „Preissenkung 11 %, Rinderhackfleisch 500 gr.-Packung statt EUR 2,25 nur noch EUR 1,99“. Da erscheint das Sonderangebot einer bundesdeutschen Drogeriekette, die 1 kg Kalbsbraten für EUR 4,99 anbietet, geradezu teuer. Zum Vergleich, der aktuelle Benzinpreis für Normalbenzin liegt im Moment bei EUR 1,428 für den Liter. Im Zweifel reicht dieser noch nicht mal aus, um zum Supermarkt (oder Drogeriemarkt) zu fahren und das supergünstige Fleisch zu kaufen.

Lebensmittel sind in Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor am billigsten. Gründe dafür gibt es mehrere. Einer dürfte der Preiskrieg deutscher Lebensmittel-Discounter sein, die mit immer niedrigeren Preisen, immer weniger Menschen in ihre immer größer werdenden Verkaufsflächen zu locken versuchen. Man sollte aber nicht vergessen, dass immer niedrigere Preise an der Ladentheke von jemandem bezahlt werden müssen. Im Zweifel ist das der Erzeuger, der vom Ertrag seiner Arbeit nicht mehr leben kann. So viel zum Thema fairer Preis.
Die Frage muss sich also stellen: „Wie kommt es zu einem Preis von EUR 1,99 für ein Pfund Rinderhack, wenn für die Erzeugung von einem Kilo Rindfleisch schon sechs Kilo Getreide und Unmengen von Wasser (laut Zahlen der WELT vom Januar 2010 sind es 15.000 Liter) benötigt werden?“ Der Preis für Futterweizen liegt im Moment bei EUR 128,– für die Tonne. Die Kosten für den Wasserverbrauch vermag ich nicht zu beziffern, geschweige denn die sonstigen Kosten.
Ein weiterer Grund liegt sicher in der Mentalität der Deutschen, die im Gegensatz zu ihren französischen Nachbarn „ihren Kühlschrank eher mit Pflicht füllen, denn mit Vergnügen“, so eine Beschreibung in der französischen Zeitung „La Tribune“. In Zahlen übersetzt heißt das konkret, die Deutschen geben im Schnitt pro Jahr für Lebensmittel ohne alkoholische Getränke EUR 1.900 aus, die Franzosen gleichauf mit den Italienern EUR 2.300. Da kämen wir sogar bei einer Vergnügungssteuer auf Lebensmittel noch günstig davon.

DER NAHRUNG IHREN WERT ZURÜCKGEBEN | Damit wären wir wieder beim Thema Appetit und Vergnügen am Essen. Wikipedia erklärt den Begriff Appetit so: (lat. appetitus cibi – Verlangen nach Speise, v. appetere = haben wollen) versteht man einen psychischen Zustand, der sich durch das lustvoll geprägte Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen, auszeichnet.
Lustvolles Verlangen ist das eine, was wir mit den folgenden Seiten hervorrufen möchten. Die Kulturlandschaft rund um den Bodensee ist gesegnet mit landschaftlicher Schönheit und klimatisch besten Bedingungen, die nicht nur eine Vielzahl an landwirtschaftlichen Erzeugnissen heranreifen, sondern die Menschen immer wieder hierher kommen lässt. Gerade die Landwirte leisten hier wertvolle Beiträge zum Erhalt und Schutz dieser Natur- und Kulturlandschaft.
Zum anderen haben wir eine Auswahl regionaler Erzeuger für Sie zusammengestellt, die Sie zu den Plätzen führen soll, an denen Lebensmittelhandwerker eine Vielfalt an Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Brot, Käse mit ihrer Hände Arbeit herstellen. Essen, was man kennt, bedeutet in erster Linie regionale Erzeuger auf eine faire und nachhaltige Basis zu stellen und lange Transportwege zu vermeiden.
Wir wollen Lust machen, einmal ein Frühstück direkt auf dem Bauernhof einzunehmen, mit den Bauern zu sprechen, zu sehen, zu erschmecken, zu erfahren, wie und unter welchen Umständen und mit welchem Aufwand landwirtschaftliche Produkte heranreifen und Tiere leben. Lassen Sie die eingeschweißten Äpfel im Supermarkt einfach mal liegen und kaufen einmal direkt ab Hof oder auf den zahllosen Bauern- oder Wochemärkten rund um den See nach dem Motto „Frische und Geschmack vor Preis“.

„Alle Dinge im Himmel und auf Erden haben keinen Wert, keine Schätzung als so viel, wie meine Vernunft ihnen zugesteht.“ Dieser Satz stammt von keinem Geringeren als Friedrich von Schiller. Auch der Nahrung sollten wir ihren Wert und den Erzeugern unsere Wertschätzung zugestehen, in dem wir wissen wollen, was wir essen, woher das Essen kommt, unter welchen Umständen es gelebt hat (und vielleicht gestorben ist) und ob Lebensmittel auch einen bestimmten Wert haben dürfen, der sich nicht allein über den Kaufpeis definiert.

In diesem Sinne „Guten Appetit“!

Leseprobe Rubrik: Themen

Muschelsuche - Der Jakobsweg am Bodensee

Auf den Pfaden der Pilger – rund um den Bodensee verlaufen Wege, auf denen schon im Mittelalter tausende Gläubiger wanderten.

Auf den Pfaden der Pilger – rund um den Bodensee verlaufen Wege, auf denen schon im Mittelalter tausende Gläubiger wanderten. Auch wer nicht pilgert: Die malerischen Strecken laden mit ihren Teiletappen sowohl zu strammen Wanderungen als auch zu kurzweiligen Spaziergängen ein.

Für manche ist das bereits ein Moment des Glücks: Ein flüchtiger Blick auf die Berge genügt – etwa aus dem Autofenster, bevor in der nächsten Kurve wieder eine Schallschutzwand die Sicht verdeckt. Wer hingegen auf Schusters Rappen über Hügel und durch Wälder wandert, muss sich nicht mit Sekundenbruchteilen abfinden sondern kann die Schönheit einer Landschaft in vollen Zügen genießen. Sehenswürdigkeiten entlang der Wegstrecke entfalten einen zusätzlichen Reiz, bieten gleichermaßen Rastpunkte als auch kulturelle Highlights. Die Bodenseeregion hat davon reichlich zu bieten. Das wussten schon die Pilger im Hochmittelalter zu schätzen, als sie über Oberschwaben an den Bodensee kamen. Damals führte die Hauptroute von Ulm kommend über Bad Waldsee, Ravensburg, Markdorf nach Meersburg. Nebenrouten kamen vom Kloster Beuron im Donautal über Pfullendorf nach Überlingen oder führten über den Bodanrück – Sammelpunkt für alle Pilger am See war und ist Konstanz. Von hier führt der Pilgerpfad, auch Schwabenweg genannt, in die Schweiz.
Auf dem Weg locken nicht nur Sehenswürdigkeiten und atemberaubende Panoramen auf den Bodensee. Beim Wanderer schleicht sich auch ein ehrfürchtiges Gefühl während der Wanderstrecke ein, sind doch vor ihm schon Hunderttausende durch die geschichtsträchtigen Orte geströmt. Bei manchen führt diese Vorstellung zu meditativen Momenten.

Paradoxerweise sind es Medienrummel und unterhaltungshungrige Öffentlichkeit, die den Jakobspfad zu einer Renaissance verholfen haben. Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ hat dem ausgetretenen Jakobsweg nach Santiago di Compostela im Laufe der Jahre einige zehntausend Wanderer mehr eingebracht.

HAUPTROUTE DURCH OBERSCHWABEN | Eine Gruppe von Junglehrern hat 1996 den Jakobsweg durch Oberschwaben, die Strecke von Ulm nach Meersburg, aufgrund von historischen Quellen rekonstruiert und mit einem Wegweiser, der gelben Muschel auf blauem Grund, markiert. Wobei hauptsächlich die Ortschaften mit ihren Kirchen und Kapellen überliefert sind – eine exakte Wegstrecke von anno dazumal lässt sich nicht oft nachvollziehen.
Immerhin, wenn der Wanderer in Bad Waldsee an der Stiftskirche Sankt Peter aufbricht, passiert er nach seinem Marsch entlang des Stausees ein Spital, das bereits um das Jahr 1300 erwähnt wurde. Mit Sicherheit waren das Kloster Weingarten und die Basilika mit einem Deckenfresko zweier Jakobspilger einst eine wichtige Durchgangsstation. Die Basilika ist zugleich Deutschlands größte Barockbasilika, neben viel Augenschmaus bietet sie eine berühmte und hörenswerte Orgel mit 66 Registern und 66.666 Pfeifen.
Nächste Station, nach einem in die Landschaft eingebetteten Höhenweg, ist Ravensburg. Schon in einiger Entfernung wird sichtbar, warum Ravensburg als Stadt der Türme und Tore einen Namen hat. Die mittelalterliche Stadtbefestigung und die Marktplätze zeugen von einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Oberschwabens seit dem Spätmittelalter. Besichtigenswert ist hier auch die Liebfrauenkirche. Alsdann führt der Weg entlang des Flüsschens Schussen, ein malerischer Spaziergang. Über Meckenbeuren, einem Ort, der durch eine Liedzeile zur Schwäbischen Eisenbahn vom Namen her schon mal bekannt vorkommt, geht es nach Brochenzell mit seiner Jakobuskirche aus dem Jahre 1624. Obstplantagen und Hopfengärten prägen die Landschaft in diesem Teil, über mehrere Ortschaften und dem Hepbach-Leimbacher Ried zieht sich der Pfad westwärts nach Markdorf. Allein das Ried empfiehlt sich für einen Ausflug. In der Markdorfer Sankt-Nikolaus-Kirche  zeugt eine Jakobus-Statue von der Pilgerreise vergangener Tage.
Die letzten Kilometer bis an den Bodensee belohnen mit schönen Ausblicken auf den See. Zuvor passiert man noch die Kapelle in Breitenbach, in der mindestens seit dem 16. Jahrhundert viele Pilger Unterschlupf fanden. In Meersburg lohnt der Blick ins Schloss und ins Annette von Droste-Hülshoff-Museum. Herrlich sind auch die Spaziergänge oberhalb der Meersburger Weinhänge; bei guten Wetterbedingungen mit Blick auf die Alpen. Von Meersburg legt die Fähre nach Konstanz-Staad ab.

NEBENSTRECKEN ZUM BODENSEE | Pfullendorf war mit seiner Kirche Maria Schray einst selbst ein Pilgerort. Wegen seinem Abwechslungsreichtum ist die Strecke nach Überlingen eine eigene Wanderung Wert. Wobei es zur Pilgerstrecke auch eine landschaftlich wundervolle Variante gibt. Ab Großschönaich kann man ich Richtung Osten zum ehemaligen Kloster Hermannsberg wandern, die Aussicht auf Linzgau, Bodensee und Alpen genießen und schließlich im Aachtobel über Brücken und Stege balancieren und dabei eine einzigartige Flora und Fauna bewundern, bevor es in Hohenbodman auf den ursprünglichen Jakobsweg zurück geht.
Die eigentliche Route führt über Taisersdorf, durch seine sportlichen Erfolge unter den Ringern eine feste Größe. Die Kapelle in Taisersdorf ist dem heiligen Markus geweiht, gleichwohl zeugt ein Bildnis des heiligen Jakobus mit Wanderstab von der Pilgertradition. Im Gästebuch der Kapelle rücken die Einträge der Pilger allerdings in den Hintergrund; nach der Kollision zweier Flugzeuge im Jahre 2002 im Luftraum über Überlingen wurde die Kapelle von Angehörigen der Opfer aufgesucht. Ein Denkmal auf dem Weg hinter Taisersdorf zeugt von der traurigen Katastrophe.
In Hohenbodman treffen dann der ursprüngliche Weg und der Umweg durch den Aachtobel wieder zusammen. In der Dorfmitte steht eine über 1000 Jahre alte Linde, ein eindrucksvolles Naturdenkmal, in dessen Schatten schon im Mittelalter Wanderer und Pilger gerastet haben.
Die letzte Wegstrecke vom Golfplatz Lugenhof zwischen Owingen und Überlingen ist ein besonderes Schmankerl, das völlig familientauglich ist und bei Föhnwetter als Spaziergang jedem ans Herz gelegt werden muss: Der Weg führt stetig bergab, so gelangt man ohne Anstrengung nach Überlingen, das Auto kann man am Golfplatz parken und man muss dann nur noch auslosen, wer wieder den Berg hinauf läuft und die Gesellschaft in Überlingen wieder einlädt. Die Wandergruppe wird mit einem herrlichen Blick über den Überlinger See, den Bodensee und die Alpen belohnt.
Überlingen selbst ist ein Kleinod am Bodensee. In der Sankt-Jodok- Kirche zeigt ein Fresko die Geschichte vom Hühnerwunder, wonach Jakobus einst einen Pilger vor dem Tod bewahrt haben soll. Gelangten einst die Pilger mit dem Schiff von Überlingen ans Klausenhorn auf der südlichen Seite des Überlinger Sees, dem oberen Seitenarm des Bodensees, so bringt den Wanderer das Schiff heute nach Wallhausen. Von dort ist der Jakobsweg nach Konstanz ausgeschildert, trifft sich in Wollmatingen mit einer Nebenstrecke von Radolfzell und Bodman kommend.

DER SCHWABENWEG AB KONSTANZ | Konstanz ist das Sammelbecken für Pilger, die von den verschiedenen Pfaden kommend hier zusammen finden. Das war schon im Mittelalter so – Wallfahrer aus Schwaben zogen von hier südwärts durch die Schweiz und schlossen sich in Konstanz oft zu Gruppen zusammen. Die Strecke nach Einsiedeln war einst so stark frequentiert, dass sie als „Schwabenweg“ bezeichnet wurde und auch heute noch so ausgeschildert ist. Übrigens pilgerten Gläubige auf dieser Strecke nicht nur nach Santiago di Compostela, sondern steuerten auch gen Rom oder Jerusalem.
Konstanz versetzt den Wanderer mit seinen Gassen in eine Stimmung, die das Traditionelle der Pilgerreise hervorhebt. Im Münster sollte man die Mauritiusrotunde aufsuchen, in der Jakobus als einer der zwölf Apostel abgebildet ist: Mit sieben Pilgerstäben ausgerüstet und an den mit Muscheln verzierten Taschen zu erkennen. Was dem Pilger von hier bevorsteht zeigt ein Wegweiser neben dem Konstanzer Münster: 2.340 Kilometer bis Santiago.
Über die Grenze nach Kreuzlingen geht es alsbald an einem kleinen Bächlein hinauf in Richtung Bernrain, zur Wallfahrtskapelle. Neben einem herrlichen Ausblick auf den Bodensee wird auch die Sage von einem Lausbub namens Schappeler den Wanderer heiter stimmen: Der Junge soll gelästert und die Jesusfigur am Wegkreuz an der Nase gefasst haben, wonach er hängen blieb. Erst als seine Mutter gelobte, Wallfahrten zum Kloster Einsiedeln auf sich zu nehmen, kam er wieder los.
Die Strecke von Konstanz nach Einsiedeln beträgt 88 Kilometer. Auf dem Weg wird der Pilger immer wieder mit Aussichten auf die Alpen belohnt. Barocke Kapellen, wie die in Kaltenbrunn oder die Kapelle in Lommis, zeugen von der Tradition des Jakobwegs, der nicht immer an der historisch überlieferten Route entlang führen kann.
In Rapperswil am Zürichsee trifft eine weitere Hauptroute des Jakobswegs auf den Schwabenweg zum Kloster Einsiedeln, kommt aus dem Allgäu und verbindet Bayern mit dem Weg nach Santiago. Eine besondere Teiletappe dieser Strecke führt bei Bregenz über den Pfänder und enthüllt einen berauschenden Blick auf Bodensee und Umland, was allemal eine lohnende Tour bietet.

Ruhe und Besinnung kann finden, wer auf dem Jakobsweg wandelt. Auch Teilstrecken entfalten durch die landschaftliche Schönheit und durch die vielen Sehenswürdigkeiten einen ganz besonderen Reiz. Denn wer langsam reist, wer zu Fuß geht, nimmt seine Umgebung viel genauer wahr.

Text: Harald Fette |

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