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Leseprobe Rubrik: Themen

Vitalisierender Bodensee

Aus geruhsamem Schlaf erwachen – sehen, wie der See für den Tag erwacht – mit einer Massage in den Morgen starten, gefolgt von einem gemütlichen Frühstück mit Obst aus der Umgebung – so könnte Ihr Wellnesstag am Bodensee beginnen.

Aus geruhsamem Schlaf erwachen – sehen, wie der See für den Tag erwacht – mit einer Massage in den Morgen starten, gefolgt von einem gemütlichen Frühstück mit Obst aus der Umgebung – danach eine kleine Wanderung entlang des Ufers oder eine Fahrradtour vorbei an Apfelbäumen und Weinbergen, das Alpenpanorama immer im Blick – später vielleicht ein Bummel durch beschauliche Gassen oder ein Abstecher ins Museum – oder doch lieber auf einem Schiff übers Wasser gleiten oder einfach geruhsam in einem der Parks und Gärten die Seele baumeln lassen? In jedem Fall abends ein leichtes Essen nach regionaler Küche … Und was darf es morgen sein?

Heilendes Wasser
Der Bodensee ist einer der größten Seen Mitteleuropas, doch auch um ihn herum spielt das Thema Wasser eine große Rolle. Hochmoderne Thermalbäder vereinen individuelle Architektur mit bewährten Anwendungen. Großzügige Gestaltung und ein abwechslungsreiches Angebot mit Saunen, Dampfbädern und Sprudelbecken erfüllen höchste Standards und bieten gleichzeitig ganz individuelle Reize. Die Bodensee Thermen in Konstanz, Meersburg und Überlingen beispielsweise verfügen neben Thermalbereich, Saunalandschaften und Freizeitangeboten auch über direkten Seezugang. Auf der Schweizer Seite erfrischt das Mineralheilbad St. Margarethen mit heilendem Nass aus dem Appenzeller Molassefestgestein. Entlang der Schwäbischen Bäderstraße mit der von Seen, Mooren und Rieden geprägten Landschaft steigert schon die Natur selbst den Wellnessfaktor; so kommt man in der Sonnenhof-Therme Bad Saulgau in den Genuss schwefelhaltigen Heilwassers aus 650 Metern Tiefe oder profitiert in Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Wurzach von der langen Tradition der Moortherapie mit dem „schwarzen Gold“ Oberschwabens.

Um in den Genuss des Wassers zu kommen, muss man jedoch nicht unbedingt eine Therme oder ein Heilbad aufsuchen. Rund um den Bodensee laden jede Menge Badehütten, Strand- und Erlebnisbäder zum Baden ein. Eine ganz eigene Atmosphäre bieten geschichtsträchtige Bäder wie das Militärbad „Mili“ in der Biege der Bregenzer Bucht, das seit 1825 besteht und somit die älteste Badeanstalt am Bodensee ist, das „Badi“ im schweizerischen Rorschach, das wie steinzeitliche Pfahlbauten aus dem See ragt, oder das Konstanzer Rheinstrandbad mit seiner Architektur der 30er Jahre.
Doch auch zahlreiche Strandbäder mit großem Freizeitangebot von Spielplätzen für Kinder bis hin zu Beach-Volleyballplätzen laden dazu ein, unbeschwerte Stunden am Ufer zu verbringen. Auch die vielen Erlebnisbäder in Gailingen, Engen, Singen, Immenstaad, Oberstaufen, Romanshorn und vielen anderen Orten üben bei jedem Wetter und für jedes Alter eine hohe Anziehungskraft aus.

Ein Ort, der Gegensätze verbindet
Die internationale Bodenseeregion vereint wie keine andere scheinbare Gegensätze: Gleichzeitig Wirtschaftsstandort und Naturschauplatz verfügt die Region über Shoppingparadiese und Welterbestätten und bietet mit historischen Altstädten gelebte Geschichte ebenso wie modernste Architektur. Selbstverständlich ist der See ein Paradies für Freizeitsportler, denn vom Anfänger bis zum anspruchsvollen Könner finden hier alle die passende Herausforderung, ob beim Wandern, Radfahren, Inline-Skaten, Segeln oder Kanufahren. Gleichzeitig stellt die Region mit musikalischen Höhepunkten – allen voran den Bregenzer Festspielen – und unzähligen Museen von Steinzeit bis Moderne ein kulturelles Angebot, das ihresgleichen sucht. Für Sie als Urlauber bedeutet all dies, dass Sie sich für Ihren Aufenthalt Ihr ganz eigenes Wunschprogramm zusammenstellen können – und selbstverständlich spontan Neues entdecken dürfen.

Erholung nach Wunsch
Ihre individuellen Ansprüche sollen auch bei der Unterkunft nicht zu kurz kommen – das ist bei den zahlreichen Hotels, die auch Spa-Bereiche oder spezielle Ernährungs- und Vitalprogramme anbieten, gar kein Problem. Vielerorts arbeiten Hotels und Restaurants mit Landwirten der näheren Umgebung Hand in Hand, um mit frischen und qualitativ hochwertigen Produkten auch kulinarisch ein optimales Programm zu bieten. Und für alle, die eine medizinische Betreuung benötigen, finden sich ebenfalls kompetente Adressen. So profitieren viele Gäste von der individuellen Betreuung in einer der bekannten Einrichtungen wie der Buchinger Bodensee Klinik für Heilfasten, Psychosomatik und integrativer Medizin in Überlingen oder die METTNAU, die Medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell.

Mit gutem Gewissen genießen
Natürlich möchte niemand beim Essen auf Geschmack verzichten, aber immer wichtiger wird auch die Frage danach, wo das Essen herkommt. Deshalb spielen am Bodensee neben Qualität ökologische Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und vor allem Regionalität nicht erst seit gestern eine große Rolle, damit hier nur die besten und gesündesten Lebensmittel verarbeitet werden. Schließlich ist es am Bodensee durch seine natürliche Lage und das Klima wie in kaum einer anderen Region möglich, Köstlichkeiten aus dem See, von den Weiden, Äckern, Streuobstwiesen und den Weinbergen direkt auf den Teller zu bringen.
Ganz in diesem Sinne steht beispielsweise „Gutes vom See", ein Zusammenschluss von Erzeugern, Lebensmittelverarbeitern, -händlern und Küchenleitern am westlichen Bodensee, für eine kontrollierte Herkunft der Lebensmittel aus der Bodenseeregion sowie eine umweltschonende Erzeugung. Auch finden das ganze Jahr über verschiedene Aktionswochen statt, die unter derselben Idee stehen, etwa die Felchenwochen, die vom 12. September bis zum 9. Oktober 2011 am Untersee stattfinden – natürlich mit dem Motto: tagesfrisch auf die Karte!

Bewusster Genuss, verantwortliche Landwirtschaft sowie eine Förderung traditionellen Lebensmittelhandwerks und regionaler Geschmacksvielfalt prägen auch die Philosophie von Slow Food. Dahinter steht die Absicht, Lebensmitteln die Zeit zum Wachsen und Gedeihen zu lassen, die sie natürlicherweise brauchen – was im Zeitalter von profitorientierter Massenproduktion alles andere als selbstverständlich ist. Deswegen veranstaltet das Slow Food Convivium Bodensee mit Sitz in Überlingen über das ganze Jahr verschiedene Festveranstaltungen und steht auch gerne mit Tipps in Bezug auf Restaurants, Erzeugern und Läden zur Seite.

So steht einem Urlaub voller Erholung und Genuss nichts mehr im Wege!

Internationale Bodensee Tourismus GmbH
Hafenstraße 6 | D-78462 Konstanz
Tel. +49 (0) 75 31 - 90 94 90 | Fax +49 (0) 75 31 - 90 94 94
info@bodensee.eu | www.bodensee.eu

Leseprobe Rubrik: Thermen

Kurgesundes Oberschwaben

Oberschwaben ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Juwel“. Zwischen Donau und Bodensee, Allgäu und der nahen Schweiz gibt es viel zu entdecken und zu genießen.

Oberschwaben ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Juwel“. Zwischen Donau und Bodensee, Allgäu und der nahen Schweiz gibt es viel zu entdecken und zu genießen. Abseits der Touristenpfade und auf den Spuren der Oberschwäbischen Barockstraße locken historische Städte und Sehenswürdigkeiten. Heimelige Dörfer, wildromantische Moorlandschaften, unzählige Badeseen und Weiher und das wellige Hügelland bieten immer neue phantastische Ein- und Ausblicke.

Die schmucken Kurstädte haben den ausgezeichneten Ruf Oberschwabens als Gesundheitsregion geprägt. Kompetenz in Kuren, Gesundheitsvorsorge und Wellness ist hier seit jeher zuhause. Das Moor, das „schwarze Gold“ Oberschwabens, wird seit Generationen für die Gesundheit eingesetzt. Die klassische Kurtherapie wird heute durch moderne Kureinrichtungen und ausgezeichnete Thermal-Badelandschaften ergänzt: Entspannen und wohlfühlen wird hier ganz groß geschrieben. Herzlich willkommen in der Bäderlandschaft Oberschwaben!

Erst aufs Rad, dann in die Therme!
Fahrrad fahren ist nicht nur gesunde Fortbewegung, die körperlich fit macht. Es bedeutet auch, die Natur mit allen Sinnen zu entdecken. Der Bäderradweg mit 233 Kilometer Länge entlang der Schwäbischen Bäderstraße führt abseits der verkehrsreichen Hauptstraßen durch reizvolle Landschaften und verbindet neun Kurorte und Heilbäder. Es geht durch Wälder, Wiesen und Moore mit zum Teil fantastischen Alpenblicken für Genussradler wie auch für ambitionierte Radfahrer. Die reizvolle Bodenseeregion, Oberschwaben – das „Himmelreich des Barock“ – sowie das ursprüngliche Allgäu bieten mit ihren Schlössern, Klöstern und Kirchen eine erlebnisreiche Tour. Wer den Tag über geradelt ist, hat sich abends Erholung verdient. In den Thermen der Region kann man sich im warmen Heilwasser, den Saunalandschaften und Wellness-Oasen entspannen und neue Kräfte für den nächsten Tag sammeln. Die einzelnen Etappen sind zwischen acht und 71 Kilometer lang.

Detaillierte Wegbeschreibungen inkl. Sehenswürdigkeiten gibt es auf der neuen Internetseite
www.baederradweg.de

www.schwaebische-baederstrasse.de | www.oberschwaben-tourismus.de

Leseprobe Rubrik: Themen

Der Felchen und der See

Fangen wir die Geschichte doch mal am Ende an. Stellen Sie sich vor, vor Ihnen steht ein appetitlich angerichteter Teller mit einem fangfrischen Bodenseefelchen, dazu vielleicht noch ein bunter Salatteller und ein Gläschen Bodenseewein.

Fangen wir die Geschichte doch mal am Ende an. Stellen Sie sich vor, vor Ihnen steht ein appetitlich angerichteter Teller mit einem fangfrischen Bodenseefelchen, vielleicht wurde er in ein wenig Butter gebraten, mit Salz und Pfeffer zart gewürzt, mit etwas Petersilie und Zitrone versehen, ganz ohne Schnickschnack. Dazu vielleicht noch einen bunten Salatteller, bei dem die Bestandteile nicht in irgend einer undefinierbaren weißen Pampe schwimmen. Auch gegen ein Glas fruchtigen Seeweins ist nichts einzuwenden. Ein wunderbar leichtes und gesundes Mahl und typisch für die Bodenseeregion. Der Felchen und der See sind wie zwei Seiten einer Medaille.

Fischer als Beruf
Etwa 30 verschiedene Fischarten tummeln sich im Bodensee. Dem Felchen jedoch gilt das Hauptinteresse der professionellen Bodensee-fischerei. Aber was ist eigentlich ein Felchen. Der Bodenseefelchen (Coregonus wartmanni) ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Lachsfische (Salmonidae), der im Bodensee vorkommt. Er ist ein wohlschmeckender Speisefisch mit festem weißem Fleisch und wenig Gräten. Unterschieden wird zwischen Blaufelchen, Sandfelchen und sonstigen Gangfischen. Noch gibt es ca. 150 Berufsfischer am gesamten Bodensee, die laut Fangstatistik im Jahr 2009 insgesamt 922.875 kg Fisch aus dem See gezogen haben. Hier ist der Felchen mit 733.052 kg die größte Gruppe, gefolgt vom Barsch (auf der Speisekarte zu finden als Egli oder Kretzer) mit 76.736 kg. Die Netze mit Seesaiblingen waren mit insgesamt knapp 10.200 kg gefüllt, die Seeforellen brachten es noch auf knapp 10.000 kg. Den Rest teilten sich Äsche, Hecht, Karpfen, Schleie, Trüsche, Wels, Aal und sonstige Weißfische.

Die Fischerei ist einer der ältesten Berufe am Bodensee mit einer langen Tradition. Die Fischer gehen mehrmals am Tag auf den See, um Netze einzuholen oder auszulegen. Das erste Mal morgens zwischen vier und sechs Uhr, das letzte Mal am Abend. Doch auch vor solch einem traditionsreichen Gewerbe macht der Fortschritt nicht halt. Inzwischen werden die von den meisten Fischern ausgebrachten Treibnetze zum Einholen dank GPS punktgenau geortet, so dass sich ein langes Suchen der auf Grund von Wind und Strömung abgetriebenen Netze erübrigt.

Schonzeit für Fischer und Fische
Die Anrainerländer des Bodensees haben durch ein Abkommen die Fischwirtschaft einheitlich geregelt. Die entsprechenden Verordnungen schreiben Schonzeiten und Mindestgrößen für gefangene Fische vor und spezifizieren zuge-lassene Fanggeräte z.B. durch Maschenweiten, Netzgrößen und deren Anzahl. Schonzeiten dienen der Erhaltung des Fischbestandes. Die Schonzeit des Felchen dauert jeweils von Mitte Oktober bis 10. Januar. Von diesem Tag an bis 31. März müssen die Felchennetze fest verankert gesetzt werden und können sieben Tage lang im See bleiben, weil diese Netze nicht so fangfähig sind. Vom 1. April bis 15. Oktober müssen die Felchennetze freitreibend gesetzt werden, d.h. der Fischer darf nur Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag zum Felchenfang ausfahren. Diese Bestimmung ist wichtig, weil die freitreibenden Netze einen wesentlich besseren Fang erzielen. Sie dient dem Zweck der Nachhaltigkeit, um durch hohe Fangerträge den Felchenbestand nicht zu gefährden. An Sonntagen dürfen sich alle Fische in Sicherheit wiegen, sonntags haben die Bodenseefischer generell ihren „freien Tag“.

Während der Schonzeit hingegen erlaubt und für die Sicherung des Fischbestandes notwendig ist der Laichfischfang. Die eigens zum Laichgewinn während der Schonzeit  gefangenen Fische wie  z.B. der Felchen werden „abgestreift“, befruchtet und in Eimern in der Fischbrutanstalt abgeliefert. Hauptaufgabe der fünf am Bodensee befindlichen Fischbrutanstalten (Reichenau, Langenargen, Nonnenhorn, Rorschach und Hard) ist es, die für die Besatzmaßnahmen erforderlichen Fische wie Felchen, Seeforelle, Seesaibling und Hecht zu erbrüten und einzusetzen. Durch den Fischbesatz sollen extreme Schwankungen beim Fischertrag vermieden werden. Allein in der Fischbrutanstalt Langenargen werden pro Saison an die 100 Millionen Felcheneier ausgebrütet. In mannshohen, gläsernen Erbrütungsröhren wird der Felchenlaich in ständiger Bewegung gehalten. Über die Wassertemperatur wird der optimale Schlüpfzeitpunkt (März und April) gesteuert, um den idealen Zeitpunkt zum Einsetzen der Jungfelchen bestimmen zu können, wenn genügend Plankton als Nahrung im See für die Fische vorhanden ist.
Von den Millionen Jungfelchen, die  im April/Mai als Besatzfische in den See gelangen, überlebt in den Folgejahren im See lediglich ein Bruchteil. Bis zur Fanggröße vergehen bei der heute verbesserten Wasserqualität und dem damit verbundenen geringeren Nahrungsangebot drei bis fünf Jahre.

Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt und dem zubereiteten Felchen auf dem angerichteten Teller, denn jetzt kommt der schöne Teil der Geschichte des Felchens. Der Genuss. Der Genuss eines Lebensmittels, welches über viele Jahre in klarem Wasser unter artgerechten Bedingungen gewachsen, mit Sorgfalt gefangen und ebenso zubereitet wurde. Und scheuen Sie sich nicht, hin und wieder einen ganzen Fisch anstelle von Filets zu kaufen oder im Restaurant zu bestellen. Wer sich mit einem Fischer unterhält, wird viel über seine Arbeit und den See erfahren und er wird sicherlich auch erwähnen, wie schade es ist, dass immer mehr filetierter Fisch verlangt wird. Ein Filet ist einfach ein Stück Fisch. Ein ganzer Fisch jedoch macht uns bewusst, dass hier ein Tier zum Lebensmittel geworden ist, das nicht achtlos verschlungen, sondern genussvoll verspeist werden sollte.

Wie jedes Jahr werden auch 2011 bei den Felchenwochen am Untersee vom 12. Septem-ber bis 9. Oktober verschiedene Variationen des beliebten Bodenseefisches angeboten. Weitere Informationen hierzu gibt es unter www.tourismus-untersee.eu

Leseprobe Rubrik: Themen

Ein Lob dem Sonntagsbraten

Die Sonntage sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. In Vergessenheit geraten ist vielerorts die Tradition des Sonntagsbraten.

Die Sonntage sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. In Vergessenheit geraten ist vielerorts die Tradition des Sonntagsbraten.

Dies mag man mit den Veränderungen in der Familienstruktur, aber auch mit geänderten Freizeit- und Essgewohnheiten erklären. Man frühstückt spät bzw. heutzutage wird nicht mehr gefrühstückt, sondern gebruncht, eine Mischung aus Frühstück und Mittagessen. Der Begriff stammt aus dem Englischen und setzt sich aus Breakfast (Frühstück) und Lunch (Mittagessen) zusammen. Danach gibt es vielleicht je nach Wetterlage noch einen Sonntagsspaziergang.

Das ausgiebige sonntägliche Mittagsmahl jedenfalls ist abgeschafft. Seit Jahren gibt es keinen Sonntagsbraten mehr. Zugegebenermaßen, ein Hauch von Spießigkeit stellt sich ein beim Wort Sonntagsbraten und dem damit verbundenen Bild der Familienidylle aus früheren Zeiten. Noch vor 30 Jahren ist Fleisch vielerorts nur sonntags auf den Tisch gekommen. Zu dieser Zeit hat der durchschnittliche Deutsche noch 30 Kilogramm Fleisch und Wurst pro Jahr verspeist. Heute sind es trotz diverser Fleischskandale rund 80 Kilogramm pro Mann/Frau und Nase. Die Vielzahl der Umweltprobleme durch unseren massenhaften Fleischkonsum ist uns inzwischen mehr und mehr ins Bewusstsein gerückt, und würden alle Menschen auf der Welt so leben wie wir, bräuchte es allein für die Ernährung mindestens zwei Planeten.

Die Parole kann also nur lauten, weniger Fleisch essen, zum Beispiel nur sonntags. Ein guter Braten braucht Liebe und Zeit, und damit sich der Aufwand lohnt, sollte es gutes Fleisch sein, das auch etwas kosten darf. Das ist nicht zuletzt eine Frage der Gesundheit. Seltener Fleisch essen, dafür besseres, wenn’s geht aus artgerechter Haltung. Sich etwas Besonderes leisten. Unter diesen Gesichtspunkten hat sich das Slow Food Convivium Bodensee entschlossen, die Tradition des Sonntagsbratens zu beleben und den ultimativen Sonntagsbraten anzubieten.

An einem Sonntag im Februar trafen sich zahlreiche Slow Food-Aktivisten des Conviviums Bodensee im Landgasthof Keller in Lippertsreute, um dem Sonntagsbraten zu huldigen und vor allen Dingen, um bei der Zubereitung eines solchen mitzuwirken. Auf der Speisekarte standen:

• Klare Ochsenschwanzsuppe
• Variationen von der Roten Beete mit Salatgarnitur und Kümmelkaramell
• Gefüllte Kalbsbrust und Braten vom Hals vom Demeter-Kalb, dazu Spätzle, Kroketten, verschiedene Gemüse und Sauce
• Bayrische Creme mit Roter Grütze.

Um neun Uhr erste Lagebesprechung mit Markus Keller, um ein Chaos in der Küche zu vermeiden, gefolgt von einer kurzen Einführung in Handhabung der Küchengeräte, insbeson-dere der Messer. Messer sind die Heiligtümer der Köche! Dann ging es für die (frei)willigen Hilfs-köche an die Töpfe, Messer und Hobel.

Die Brühe für die Ochsenschwanzsuppe war dank Arbeitseinsatz am Vortag schon fertig. Nun musste noch das Fleisch als Einlage für die Suppe von den Knochen gelöst werden. Sozusagen Knochenarbeit. Gleichzeitig machten sich andere über die Rote Beete her zur Zubereitung der Variationen derselben, u.a. eine Mousse. Spektakulär die Herstellung des Kümmelkaramells. Dazu wurde Kümmel mittels Messerrücken zerdrückt, und zusammen mit dem in einer schweren Eisenpfanne karamellisierten Zucker hauchdünn auf Backpapier gestrichen. Nach dem Erkalten konnten wunderbar dünne Kümmelkaramellscheiben die Rote Beete-Variationen zieren.

Kurze Unterbrechung beim Karotten schnippeln, Fenchel schneiden und Kartoffeln pellen für die Kroketten: Markus Keller weist uns ein in die Kunst, eine Kalbstbrust zu füllen. Hierzu hat er eine Füllung vorbereitet aus Kalbsbrät, Brot, Eiern, Kräutern und Gewürzen, steht mit einer Riesennadel und dickem Faden bereit, der Kalbsbrust nach dem Füllen einen gekonnten Hohlsaum zu verpassen. Und ab geht’s in die Röhre. Dort schmurgelt seit geraumer Zeit bereits die aus Knochen, Wein, Zwiebeln und Wurzelgemüse angesetzte Sauce.

Nun zur Bayrischen Creme. Ein Gedicht aus Milch, Sahne, Zucker, Eiern, ausgekratzter Vanilleschote und Gelatine, dessen Zubereitung höchste Aufmerksamkeit und guter Armmuskeln bedarf. Konzentration beim Dauerrühren und bei der Temperaturbeobachtung ist angesagt. Nichts für Weicheier!

Gegen Mittag treffen die ersten Gäste ein, die sich für den Sonntagsbraten angemeldet hatten.Die Schlagzahl in der Küche wird deutlich erhöht und die Hilfsköche aus dieser verwiesen. Nun müssen die Profis ran, ein eingespieltes Team legt letzte Hand an, damit alles heiß und wohlgeordnet die Küche Richtung Gastraum verlässt.

Mit dem guten Gefühl, diesen Sonntagmorgen mit etwas Sinnvollem zugebracht zu haben, trudeln wir ab und erwarten an einer schön gedeckten Tafel im Restaurant das Resultat unserer Arbeit. Und die Mühe hat sich wahrlich gelohnt, es war ein vorzügliches Mahl, dieser Sonntagsbraten. Ein Fest für Augen, Nase und Gaumen, es wurde getafelt, erzählt und gelacht. So wie es bei einem guten Mittagessen sein soll. Eine Wiederholung ist schon vereinbart, denn „Gut ist Sonntagsbraten, nicht gut ist, kein Sonntagsbraten“, so der neue Wahlspruch des Slow Food Conviviums Bodensee.

Slow Food Convivium Bodensee
huberthohler@buchinger.com oder unter
www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/bodensee

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