Leseprobe Rubrik: Klöster, Kirchen & Konzil

Bodensee Magazin Spezial "Kirchen, Klöster & Konzil"

Dritte und überarbeitete Auflage 2017

Bodensee Magazin Spezial „Kirchen, Klöster & Konzil“
3. Auflage 2017

Die dritte und überarbeitete Auflage des 104-seitigen Bodensee Magazin Spezial “Kirchen, Klöster & Konzil“ führt die Leserinnen und Leser in eine Zeit, die scheinbar längst vergangen ist. Der Beginn liegt weit zurück im 6. Jahrhundert, dem frühen Mittelalter, mit der Gründung des Bistums Konstanz, setzt sich mit den Klostergründungen in St.Gallen und auf der Insel Reichenau fort (heute beides UNESCO Welterbestätten), umfasst als historischen Meilenstein das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 und mündet in die Blütezeit des 18. Jahrhunderts – eine große Zeitspanne, die die Bodenseeregion zu einem politischen, religiösen und geistigen Zentrum im heutigen Europa machte.

Es berichtet außerdem über das Zisterzienserkloster Salem, die Kartause Ittingen, den Klosterbezirk zu Allerheiligen in Schaffhausen, das Kloster Sankt Georgen in Stein am Rhein, die Klosterstadt Meßkirch, das barocke Oberschwaben.

Mit vielen tollen Tipps, Touren und Terminen für das Jahr 2017.

Das Bodensee Magazin Spezial “Kirchen, Klöster und Konzil” 3. Auflage 2017 (ISBN 978-3-944741-33-8) ist erhältlich im Zeitschriften-/Buchhandel oder für EUR 5,- zzgl. Versandkosten direkt zu bestellen unter Magazinbestellung

Leseprobe Rubrik: Einführung

Klösterregion Bodensee

Wiege europäischer Kultur

Mönche, Nonnen und ihre Klöster haben seit dem frühen Mittelalter die Landschaft rund um den Bodensee maßgeblich gestaltet. Ihre besondere Wirtschafs- und Lebensweise hat hier nicht nur eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen, sondern Impulse für Neuerungen in vielerlei Hinsicht gegeben. Mit der landwirtschaftlichen Erschließung der seit der Römerzeit teilweise verödeten Gegenden, mit dem Wiederaufleben von Schriftlichkeit in den Klosterschreibstuben, mit dem Aufblühen der Wissenschaft, ja nicht zuletzt mit der Verbreitung des Christentums und der damit verbundenen geistigen und geistlichen Erneuerung geht ein enormer wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung einher, der weit über die Region hinaus wirkte: Mit gutem Recht darf die Bodenseeregion als Wiege mitteleuropäischer Kultur gelten!

Irische Wandermönche auf alten Handelsstraßen

Was machte die Region für die Mönche so interessant? Der Bodensee war bereits seit frühester Zeit eine Drehscheibe für Handel und Verkehr. Seine günstige Lage am Nordrand der Alpen mit den Zugängen zu den wichtigsten Alpenquerungen und seine Anbindung an die nach Norden, Osten und Westen führenden Verkehrswege machten ihn seit der Zeit der Römer zu einem der wichtigsten Verkehrswege der Region. Der Wasserweg bot die Möglichkeit, auch größere Mengen von Gütern kostengünstig zu transportieren. Insbesondere die alten (aus keltischen Siedlungen hervorgegangenen) Römerstädte, Bregenz im Osten und Konstanz mit dem Rheinübergang im Westen, waren wichtige Umschlagplätze. Die Landeplätze Bodman mit der Pfalz, Überlingen, Meersburg, Buchhorn und Lindau am Nordufer, und vor allem Romanshorn, Rorschach und Arbon am Südufer markieren wichtige Zentren der weiteren Entwicklung. Dabei nahm Konstanz mit dem bis ins frühe Mittelalter zurückreichenden Bischofsitz eine zentrale Rolle ein. Das Bistum Konstanz, das sich von Brienz im Süden bis kurz vor Backnang im Norden, von Kempten im Osten bis Breisach im Westen erstreckte, war bis zu seiner Aufhebung 1821 eines der größten Flächenbistümer im Heiligen Römischen Reich. Die zentrale Lage von Konstanz war auch noch im Spätmittelalter unangefochten und dürfte einer der entscheidenden Gründe dafür gewesen sein, dass Konstanz von 1414 bis 1418 Konzilstadt war.

Zwei Voraussetzungen machten die Ansiedlung von Mönchen und den Aufschwung der Bodenseeregion erst möglich: zum einen die Eingliederung der alemannischen Stämme und Stammesführer in das Frankenreich, zum andern die von den Frankenkönigen geförderte Missionstätigkeit iro-schottischer Mönche. Bereits Anfang des 7. Jahrhunderts gelangte der Ire Columban in die Schweiz und an den Bodensee, wo er in Bregenz ein Kloster gründete, das allerdings bald wieder aufgegeben wurde. Columban selbst blieb nicht in der Region, sondern zog nach Italien weiter.

Nicht nur die Franken, auch andere hier ansässige Adelsgeschlechter betätigten sich — vor allem im späteren Verlauf des Mittelalters — als Klosterstifter und Förderer der Klöster. Die Region Bodensee und Hochrhein bildeten den Kernbereich des (hochmittelalterlichen) Herzogtums Schwaben, weitere Hochadelsgeschlechter waren hier begütert, sowohl die Staufer als auch die Welfen hatten hier Besitz. Auf der Habsburg (heute Kanton Aargau, Schweiz) liegt der Stammsitz der Habsburger.

Entlang der alten Verkehrswege im Rheintal und entlang der alten Römerstraßen schritt die Christianisierung voran. Den Anfang bildeten Einsiedeleien im 7. Jahrhundert, wie jene des (irischen?) Mönchs Gallus im damals unwirtlichen Hinterland des südlichen Bodenseeufers (heute St. Gallen). Gallus war im Gefolge des Columban an den Bodensee gekommen.

Auf den Wanderbischof und Missionar Pirmin wird eine ganze Reihe von Klostergründungen oder Klosterwiederherstellungen zurückgeführt. Sein Weg lässt sich von Neuweiler über Weißenburg, Maursmünster und Murbach im Elsass bis zur 724 gegründeten Reichenau verfolgen. Die geschützt auf einer fruchtbaren Insel im Untersee gelegene Reichenau gelangte rasch zu großer Blüte. Das Kloster entwickelte sich zu einem geistlichen und kulturellen Zentrum. Im 9. Jahrhundert war die Reichenau ein Mittelpunkt des durch Benedikt von Aniane reformierten Mönchtums. Von den klösterlichen Bauten blieben auf der Insel bis heute drei große Kirchen und die frühbarocke Klosteranlage von Mittelzell erhalten. Vor allem die ottonischen Wandmalereien in St. Georg in Reichenau-Oberzell und die eng damit verbundenen Wandmalereien in der kleinen Sylvesterkapelle von Goldbach bei Überlingen können bis heute einen Eindruck vom Kunstschaffen im Umfeld der Reichenau vermitteln.

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Leseprobe Rubrik: Konstanz

Das Konstanzer Konzil 1414 - 1418

Für dreieinhalb Jahre war die wohlhabende Handelsstadt Konstanz mit ihren 6–7.000 Einwohnern mehr als nur ein regionales Zentrum.

„Die Stadt Konstanz ist klein, kann aber trotzdem vielen Menschen Herberge geben. In der Länge hat sie eine Ausdehnung von zwei guten Bogenschüssen; sie ist aber nur einen Bogenschuss breit. Allen, die sich hier aufhalten und es selbst miterleben, erscheint es fast unmöglich, wie dieser kleine Ort so viele Gäste mitsamt ihren Pferden unterbringen und ernähren kann. Italien muss ganz zurücktreten; dort gibt es kaum eine Stadt, welche die Last einer derartig zahlreichen Einquartierung ertragen könnte.“

Benedetto da Piglio (Brief vom 14.02.1415)

 

Für dreieinhalb Jahre war die wohlhabende Handelsstadt Konstanz mit ihren 6–7.000 Einwohnern mehr als nur ein regionales Zentrum. Während der Zeit des Konzils erfüllte sie mangels einer ausdrücklichen Residenzstadt des Römisch-Deutschen Königs die Hauptstadtfunktion im Deutschen Reich. In Spitzenzeiten weilten über 10.000 Gäste in der Stadt am Bodensee. Wie kam es zu diesem kirchlichen, politischen und kulturellen Großereignis des Mittelalters?

Zwischen 1378 und 1417 gab es nicht nur einen, sondern zwei, zuletzt sogar drei Päpste. Dieses “Schisma“ bedeutete für Europa ein politisches, theologisches und kirchenrechtliches Durcheinander. Der damalige römisch-deutsche König Sigismund und der mit der größten Anhängerschaft ausgestattete Papst Johannes XXIII. beschlossen 1413 im lombardischen Lodi, ein allgemeines Konzil in Konstanz zu veranstalten, um dieses Problem zu lösen. Sigismund forderte auch die Anhänger der anderen beiden Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. auf das Konzil zu besuchen.

Die Reichsstadt Konstanz bot sich für das Konzil an, denn sie unterstand König Sigismund als Oberherrn. Hinzu kamen die verkehrsgünstige Lage am Rhein, intensive Handelsverbindungen nach Italien, gesicherte Lebensmittelzufuhr (Fisch, Wein, Getreide, Fleisch) und stabile politische Verhältnisse, die für Konstanz sprachen. So begann hier am 5.11.1414 der größte kirchliche, aber auch politische Kongress des Mittelalters in Europa. Über 30 Kardinäle sowie hunderte von Bischöfen, Äbten, Fürsten und Grafen versammelten sich in Konstanz. Hinzu kamen tausende von Mitgliedern des niederen Klerus, Handwerker, das Gefolge der großen Herrschaften, Gesandte ausländischer Höfe sowie Vertreter von über zwei Dutzend Universitäten und Städten. Selbst eine Delegation des byzantinischen Kaisers weilte in Konstanz.

Somit wurde Konstanz zeitweilig zur Hauptstadt des Deutschen Reiches, das ja nicht wie etwa Frankreich und England über eine permanente Hauptstadt verfügte. Wo sich der Hof des Königs befand, wo Reichstage stattfanden, weltliche und kirchliche Potentaten zusammenkamen, dort wurden wichtige Entscheidungen für das ganze Reich und – im Falle des Konstanzer Konzils – auch für ganz Europa getroffen. Etliche Parteien, die sich im Krieg miteinander befanden, so z. B. England und Frankreich oder der Deutsche Orden und Polen, führten in Konstanz politische Verhandlungen und fochten Rechtstreitigkeiten aus. Somit war das Konstanzer Konzil nicht nur ein kirchlicher, sondern auch ein wichtiger politischer Kongress. Darüber hinaus zog das Konzil auch viele Intellektuelle an, so z. B. einige italienische Humanisten. Einer von ihnen, Poggio Bracciolini, unternahm von Konstanz aus mehrere Ausflüge zu verschiedenen Klosterbibliotheken, um dort verloren geglaubte antike Texte zu „retten“. So wurde das Konstanzer Konzil auch zu einem großen Büchermarkt und einem Ort des Austausches von Wissen und neuem Gedankengut. Es wurden nicht nur zahlreiche zeitgenössische Texte in Konstanz vervielfältigt, sondern z. B. auch Dantes “Göttliche Komödie“ auf Latein übersetzt und in mehreren Exemplaren hergestellt, womit ihre Bekanntheit im Deutschen Reich erst begann.

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Leseprobe Rubrik: St.Gallen

UNESCO Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen

Der Büchersaal der Stiftsbibliothek St.Gallen wird als einer der formvollendetsten Bibliotheksbauten der Welt gepriesen.

Ein besonderer Ort kultureller Überlieferung

Der Klosterplatz mit den ausserordentlichen architektonischen Schöpfungen der ehemaligen Klosterkirche, heute Kathedrale, und der Stiftsbibliothek haben auch 200 Jahre nach Aufhebung der Abtei ihre klösterliche Ausstrahlung nicht verloren. Die ehemalige Klosterkirche ist einer der letzten grossen Würfe des Bodenseebarock. Der Barocksaal der Stiftsbibliothek gehört zu den prachtvollsten Bibliotheksräumen im deutschen Sprachgebiet. Die St.Gallische Besonderheit besteht in der Sammlung von Handschriften, von denen viele in der Schreibstube des Klosters St. Gallen entstanden sind und hier den Lauf der Geschichte überdauert haben. Bis heute pflegt St. Gallen dieses bibliophile Erbe und ist selbst zur modernen Buchstadt geworden. St. Gallen, Kloster und Stadt halten Angebote für alle Bedürfnisse bereit. Die nahe Natur, ab dem Klosterplatz zu Fuss in 10 Minuten erreichbar, ist von besonderem Reiz.

Kathedrale St. Gallus und Otmar (ehemalige Klosterkirche)

Die Kirche wurde 1766 vollendet. An der Planung hatte der bekannte Baumeister Johann Kaspar Bagnato entscheidenden Anteil, während die Bauleitung in der Hand von Johann Michael Beer lag. Bauherren waren die Äbte Cölestin Gugger von Staudach und Beda Angehrn. Nach der Aufhebung des Klosters wurde das Gotteshaus 1824 zur Kathedrale (Bischofskirche).

An der östlichen Schmalseite erhebt sich die einprägsame Zweiturmfassade als dominante Schaufront, das Wahrzeichen von Bistum, Stadt und Kanton St. Gallen. Das Innere der Kirche präsentiert sich als dreischiffige Freipfeileranlage mit zentraler Kuppel (Rotunde). Qualitätsvolle Stuckaturen, Gewölbebilder, Altäre und das Chorgestühl gehören zu den Höhepunkten der Ausstattung. Das Konzept der aufeinander harmonisch abgestimmten Kunstformen stammt von Christian Wentzinger, Bildhauer und Maler. Die Stuckaturen sind ein Werk von Johann Georg und Matthias Gigl: Sie vermitteln zwischen der helltonigen Architektur und den in dunklen Farben gehaltenen Deckenbildern. Der Maler der Gewölbebilder, Josef Wannenmacher, hinterliess in St. Gallen sein Hauptwerk. Das plastische Meisterwerk im Altarraum ist das Chorgestühl. Geschaffen wurde es unter der Gesamtleitung von Bildhauer Josef Anton Feuchtmayer.

Klosterhof
Der St. Galler Klosterhof ist schweizweit das einzige Beispiel grosszügig konzipierter und gebauter barocker Herrscherarchitektur nach den gestalterischen Prinzipien von Achsialität und Monumentalität, verbunden mit einer Grosskirche gleichen Stils. Die Anlage blieb jedoch ein architektonischer Torso, da das Kloster vor der Vollendung seiner ehrgeizigen Bauziele aufgehoben worden ist. Der Hofflügel ist die Alte Pfalz (Sitz des Abtes), die sich vom Südturm der Kathedrale nach Osten erstreckt. Die Neue Pfalz schliesst den Klosterhof gegen Osten ab. Sie wurde 1767–1769 auf Veranlassung von Abt Beda Angehrn gebaut. Baumeister war Johann Ferdinand Beer. Heute Teil der Verwaltung des Kantons St. Gallen, diente die Neue Pfalz vor 1803 als Residenz des Abtes.

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